Mongolenmeute

Gesunde Ernährung?

Mensch und Hund: Gesunde Ernährung?

 

Grundwissen über Mensch und Hund – Und: So mache ich das!

 

Essen – profan Ernährung genannt, ist über die bloße Nahrungsaufnahme hinaus immer ein Thema, bei Mensch wie auch Hund. Die Sprichwörter „Essen hält Leib und Seele zusammen“ und „Liebe geht durch den Magen“ bringen die soziale Bedeutung des Essens für den Menschen auf den Punkt; und „Leckerchen“ ist die Bestechung des Raubtiers Hund, damit er möglichst das macht, was wir wollen. Und er macht es, weil die Futterspende eine große Bedeutung für ihn hat. Ein Raubtier, und von daher stammt unser Hund ab, muss sich hart und mühsam für sein „täglich Brot“ abrackern. Wer es ihm fast ohne Mühe spendet, wird von ihm geliebt! Wir Menschen aber übertragen gerne unsere Einstellung zum Essen auf unsere Hausgefährten!

Tobe 1

Tobestunde im Uhlenhorst

So begibt man sich beim Thema „Gesunde Ernährung“ schnell auf ein mit „Minen verseuchtes“, äußerst mit Emotionen beladenes Feld. Das gilt sowohl für die Ernährung von Menschen wie auch Hunde. Der Grund dafür liegt in der starken Ideologisierung des Themas, bei dem meist nicht die ernährungsphysiologischen Fakten, sondern Empfindungen, Gefühle und Weltanschauung der Diskutierenden die entscheidende Rolle spielen.

Ich habe mich aber furchtlos daran gemacht, das zusammen zu tragen, was man als Laie zu diesem Thema finden und wissen sollte, erweitert um die Frage, woher die Grundlagen und Dispositionen unseres heutigen Hundes für seine Ernährung herrühren. Ich verfolge dabei die Ernährung von Mensch und Hund vom Beginn der Domestikation vor 16 Tausend Jahren über das Mittelalter und dem Aufkommen der Bürgergesellschaft bis heute. Auf dem Weg dahin „zerdeppere“ ich genussvoll etliche Ernährungsmythen und vermeintliche Kenntnisse über Gesundheit. Und ich stelle die drei wichtigsten Formen der Hundeernährung vor, und zwar in Fakten, nicht in ihrer Ideologie. Und ich erkläre, wie ich es selber mit der Ernährung meiner Hunde halte. Und natürlich versuche ich, zu Bekanntem vielleicht auch Unbekanntes, in jedem Fall Interessantes und Unterhaltsames zum Thema „Ernährung für Mensch und Hund“ beizutragen. Ich bin sicher, dass Einiges oder gar Vieles dessen, was ich auf den folgenden 24(!) Doc- Seiten präsentiere, weitgehend ungewöhnlich oder gar neu ist – aber in den zugrunde liegenden Fakten auf dem aktuellen Stand ist.

In jedem Fall ist der folgende Beitrag für Low-Food-Leser gedacht, nicht für Fast-Food-Konsumenten!

 

Gesundheit als komplexe Situation

Bevor ich mich näher zum konkreten Ernährungsalltag einlasse, wende ich mich grundsätzlichen Aspekten zu. Und der wichtigste lautet: Die Rolle der Art der Ernährung für die Gesundheit, ob bei Mensch oder Hund, wird meist erheblich überschätzt. Über den Grad an Gesundheit entscheiden im wesentlichen andere Faktoren.

Tobe 2

Bewegung und Gesundheit
Uhlenhorst

Beim Menschen gilt die Faustregel „25% genetische Disposition, der Rest Umwelt und Verhalten“. Dabei gibt es Wechselwirkungen: Umweltfaktoren wie extremer Stress (z.B. Kriegseinwirkungen) wirken sich sogar schädlich auf Erbanlagen aus, die unsere Gesundheit bestimmen. Ein positives Verhalten aber, allen voran hinreichende Bewegung als wichtigster Faktor, kann sogar negative genetische Dispositionen abmildern oder gar auflösen! Diese Erkenntnis (aus der Epigenetik) revolutioniert gerade die Genetik!

 

Negatives“ Verhalten

Beim Verhalten ist Ernährung nur einer von vielen Faktoren. Sehr einseitige Ernährung oder extreme Über- oder Unterernährung machen sich ganz gewiss negativ für die Gesundheit bemerkbar. Und zwar, wie schon oben angedeutet, bis hin zur Beeinflussung genetischer Dispositionen. Eine einigermaßen angemessene, vielfältige und in der Menge das Maß haltende Kost wirkt sich hingegen positiv aus.

Tobe 3

Jagdspiele – Freude an der Bewegung
Uhlenhorst

 

Was das sonstige Verhalten angeht: Über die negativen Auswirkungen z.B. von Drogen, Alkohol und Nikotin auf unsere Gesundheit brauchen wir nicht zu diskutieren. Das Rauchen kann uns 10 bis 20 Lebensjahre kosten und die verbleibenden sind oft von chronischen und zunehmend auch schwerwiegenden Erkrankungen gekennzeichnet. Nikotin führt zudem zu einer nachhaltigeren Abhängigkeit als bei jeder anderen Droge,                          einschließlich Heroin.

Und Nikotin als Zellgift ist ebenfalls schädigender als jedes andere.

Natürlich kann auch ein Raucher sehr alt werden. Ich kenne einen, der ist 89 Jahre geworden. Doch am Ende fehlten ihm beide Beine und er starb an einer Nekrose in einem Beinstumpf. Aber eigentlich setzte sein langsames Absterben schon im Alter von 55 Jahren ein, als die große Beinvene wegen schlechter Durchblutung durch eine Y-Prothese ersetzt werden musste.

 

Positives Verhalten:

Der wichtigste positive Effekt auf unsere Gesundheit aber ist im Bewusstsein der meisten Menschen viel weniger angekommen als die negativen. Dabei spielt sich in unserer Medizin seit etwa 10 Jahren fast so etwas wie eine Revolution ab. Nicht nur der Medizinwissenschaft, sondern auch zunehmend der gesamten Ärzteschaft wird immer mehr bewusst, welche nachhaltige Wirkung Bewegung – körperliche Belastung – in der Gesunderhaltung oder Gesundwerdung der Menschen hat; weit wirksamer als jede Medizin! Es hat seinen Grund, warum Hundebesitzer im Durchschnitt gesünder sind und länger leben als Menschen ohne Hund (alles nur Durchschnittswerte; der Einzelfall kann immer abweichen).

Tobe 5

Tibi-Rakete
Uhlenhorst

 

Vor einigen Wochen hatte ich ein Telefonat mit einer 82-jährigen Besitzerin eines zwölf Jahre alten Tibet Terriers. Sie hat die Führung des Hundes vor 10 Jahren nach dem Tod ihres Mannes übernehmen müssen. Mit 72 Jahren war sie gesundheitlich ziemlich angeschlagen. Doch nach 6 Monaten mit Hund, so verriet sie mir, waren fast alle ihre Krankheiten verschwunden. Heute, mit 82, ginge es ihr wesentlich besser als damals mit 72 Jahren!

Ich selber habe mir vor einigen Wochen einen Muskelfaserriss in der rechten Wade eingefangen. In meiner Jugendzeit – ist schon einige Jahre her, hätte mir der Hausarzt zumindest eine Gipsschiene angelegt, um den Muskel möglichst „ruhig“ zu stellen. Heute aber war das erste, was der behandelnde Orthopäde mir einschärfte: Unbedingt bewegen! Mit einem Kompressionsstrumpf bewältige ich meine Hundegänge nach einigen wenigen Tagen Verkürzung inzwischen wieder uneingeschränkt!

Aber es geht noch viel drastischer! Schon in meiner Sportstudentenzeit habe ich Reha-Sport mit Herzinfarkt-Patienten durchgeführt. Jeder trug ein Pulsmessgerät am Körper, das laut piepte, wenn die als sinnvoll gehaltene, moderate Belastungsgrenze erreicht wurde. Doch heute geht das viel mutiger zu.

Bei Herzmuskelentzündung z.B. , ein schlimmer Befund, bei dem man bisher fürchtete, starke Belastung würde das Herz endgültig versagen lassen, findet im Moment ein weitgehendes Umdenken statt. Der Trondheimer Sportwissenschaftler Ulrik Wisløff hat im Jahr 2007 neue Forschungsergebnisse publiziert. Statt seine Patienten zu schonen, hat er sie immer wieder an ihre Belastungsgrenze heran gehen lassen. Die wurden nicht etwa kränker, sondern verbesserten ihre Kondition erheblich. Das „ausgeleierte Herz“ hatte sich „remodelliert“ (Spiegel online, 21.01.13).

 

Tobe 4

Bewegung ist Lebensfreude und Lebensqualität
Battke-Meute

Über die Ernährung des Hundes rede ich später.

 

Ernährungsmythen

Was aber ist gesunde Ernährung – wieder zuerst beim Menschen gefragt? Im vorigen Jahr, 2012, wurde in der ARD vom bekannten Fernsehkoch Tim Mälzer ein aussagekräftiges Experiment unternommen. Unter Anleitung und medizinischer Begleitung von Ernährungsphysiologen der Uni Heidelberg wurden drei Versuchsgruppen über vier Wochen mit unterschiedlichen Ernährungskonzepten versorgt: mediterranes Essen, was ja einen besonders gesunden Ruf hat, deftige deutsche Hausmannskost und Fast-Food. Bedingungen: Die verschiedenen Ernährungsformen wurden nach dem Gesichtspunkt der ernährungsphysiologischen Vielfalt zusammen gestellt und in der auf die jeweilige Person passenden Kalorienzahl begrenzt. Nun raten sie mal das Ergebnis!

Bei den abschließenden medizinischen Vergleichsuntersuchungen stellte sich heraus, dass keine der Gruppen merkliche Unterschiede in den für die Gesundheit relevanten Parametern aufwies.

Auch die Laboruntersuchung einer Fast-Food-Hauptmahlzeit mit Burger aus Fleisch, Weißbrötchen, Käsescheibe, Tomate und Salatblatt, dazu eine Portion Pommes bestätigte diese Ergebnisse. Der Burger besaß alle relevanten Vitalstoffe hinreichend oder sogar überreichlich. Nur der Anteil Vitamin C war etwas dünne. Aber nichts, was man nicht mit einem Glas Orangensaft ausgleichen könnte.

Chad

Hero-Chad; Lebensfreude in Bewegung
Battke-Meute

 

Und auf die Frage des von diesem Resultat sichtlich geschockten Tim Mälzers, ob sich andere Ergebnisse einstellten, wenn der Versuch erheblich verlängert werde, war die Antwort des leitenden Ernährungsphysiologen ein schlichtes „Nein“. Es war sichtbar, dass dem Fernsehkoch die ganze bisherige Vorstellungswelt über „gesundes mediterranes Essen“ und schädlichem Fast Food schmerzlich abhanden gekommen war. Aber: Das Ergebnis dieses Tests war für die Wissenschaft voraus sehbar, es entspricht den seit längeren bekannten wissenschaftlichen Erkenntnissen!

 

Ballaststoffe, Vollkorn und Cholesterin

Aber wo wir schon mal bei Irrtümern und Mythen über gesundes Essen sind: „Ballaststoffe fördern die Verdauung. Darum sollte man Vollkornprodukte essen, und diese enthalten gegenüber Weizenmehl wesentlich mehr Vitalstoffe, sind also gesünder und erleichtern auch die Gewichtsabnahme!“ Das weiß doch jeder, oder?

Dumm nur, dass in diesen wenigen Sätzen gleich mehrere Irrtümer eingearbeitet sind. Zunächst der Vollkornmythos – bei mindestens einem Drittel der Menschen zeigt Vollkornnahrung überhaupt keine der gewünschten Wirkungen, weil sie, genetisch bedingt, Vollkornprodukte nicht angemessen verarbeiten können. Dann das „Weißbrotparadox“ (diesen Begriff gibt es wirklich). Unsere französischen Nachbarn essen fast nur Weißbrotprodukte – und sind im Schnitt schlanker als die „Vollkorndeutschen“ – und keineswegs weniger gesund! Und dann noch der Ballaststoff-Irrtum! Ballaststoffe regen nicht die Verdauung an. Das geschieht stattdessen durch Bewegung, Flüssigkeitsaufnahme und andere Faktoren. Weder die Nahrung für Mensch noch Hund muss deswegen „extra“ Ballaststoffe enthalten.

Tobe 6

„Äktschen“ im Uhlenhorst

Der Unterschied: Energetisch „verdichtete“ Nahrung führt zu einer heftigen, Energie aufwändigen, wenn auch kürzeren Verdauungstätigkeit. Bei höherem Ballaststoffanteil, z.B. mediterrane Nahrung, wird der Verdauungsvorgang auf einem niedrigeren Level gestreckt. Und damit haben wir erneut eine Bestätigung der alten Volksweisheit nach einer reichhaltigen Mahlzeit: „ Nach dem Essen sollst du ruhn oder Tausend Schritte tun!“ Entweder Mittagsschläfchen, um sich nicht die nächsten zwei Stunden müde zu fühlen, oder durch mäßige Bewegung den Verdauungsprozess zu optimieren.

Unter diesen Erkenntnissen gibt es keine Einwände gegen hochenergetische Nahrungsmittel für Menschen und Hunde – und es ist durchaus sinnvoll, aber nicht zwingend notwendig, die Hundenahrung auf zwei Mahlzeiten am Tag zu strecken. Und nichts spricht dagegen, dass wir Menschen unseren Bedarf auf vier oder gar fünf Mahlzeiten am Tag strecken. Muss aber nicht! Aber wenn man sein Schulkind direkt nach dem Mittagessen anhält, die Hausaufgaben zu machen, dann darf man sich nicht wundern, wenn nichts dabei heraus kommt.

Und dann die Cholesteringeschichte! Jeder kennt ja das schädliche LDL und das gute HDL! Logische Folge: Iss‘ pflanzliche Fette mit hohem HDL-Anteil. Der Haken dabei: Erstens gibt es eine beträchtliche Gruppe von Menschen, bei denen dieses zugeführte HDL genetisch bedingt überhaupt nicht ankommt – die Blutwerte zu HDL verändern sich nicht wesentlich. Und Zweitens: Jetzt hat man eine dritte, ganz „böse“ Fettkategorie entdeckt, die besonders schlimm auf Herz und Adern wirken soll. Könnte es sein, dass die bisherigen Ratschläge, die auf den vermeintlichen Wirkungen von LDL und HDL beruhen, weitgehend nutzlos gewesen sinnd?

 

Mythos „Gesunde Nahrungsergänzungsmittel“

Und: Das Gerede von ungesunden Nahrungsprodukten in unserem Alltag, egal aus welcher Produktionsrichtung, denen es an Eisen,Vitaminen, Mineralien wie Magnesium und Kalzium, Ballaststoffen, Aminosäuren und sonstigen Vitalstoffen fehle, ist durch das Mälzer-Experiment als dummes Geschwätz entlarvt; aber das schon seit etlichen Jahren und nicht nur durch dieses Experiment.

Etwa 1.3 Milliarden €uro geben die Deutschen pro Jahr für solche Nahrungsergänzungsmittel aus. Aber: Diese sind überflüssig, wenn man sich normal ernährt. Denn in den üblichen Lebensmitteln sind alle wichtigen Nährstoffe in ausreichenden Mengen vorhanden. So urteilt u.a. das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR); Quelle: NRZ vom 21.01.13.

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Äktschen im Uhlenhorst, der Schwarze ist mein junger Sammie

 

Ja, man muss sogar davon ausgehen, dass etliche als gesund beleumundete „Zusatzstoffe“ eher eine schädliche Wirkung haben – in den meisten Fällen aber nicht die beworbenen Wirkungen. Beispiel Vitamin C: Dieses Vitamin verhindert weder eine Erkältung noch hilft es beim Eindämmen der Erkrankung. Das aber gelingt nachweisbar mit „richtiger“ Hühnersuppe! Die Beispiele ließen sich fast beliebig verlängern.

Wer als Mann 1 Gramm Kalzium pro Tag – oder gar mehr zu sich nimmt, läuft ein 20% höheres Herzinfarkt-Risiko. Frauen allerdings nicht, und keiner weiß den Grund.

Vegetarische Ernährung – bis hin zum Veganen, ist durchaus eine mögliche Form der Ernährung. Und das ist weitgehend sogar ohne Nahrungsergänzungsmittel möglich. Aber dabei muss man ganz genau wissen, was man tut! Beispiel Eisen: Sesamkörner etwa enthalten 10 Milligramm Eisen pro 100 Gramm.

Ich selber bin bekennender Carnivore – mit besonderer Vorliebe für Blattsalate, Kartoffeln und Obst -, achte aber auf die Herkunft des Fleisches aus regionalen Betrieben statt Massentierhaltung. In jedem Fall ernähre ich mich abwechslungsreich und ohne zusätzliche Vitamine, ohne Magnesium und Kalziumtabletten und sonstige Nahrungsergänzungsmittel.

Was man beim Menschen über Nahrungsergänzungsmittel sagen kann, lässt sich zu 100% auf den Hund übertragen!

 

Ergebnis

Was also zeigt uns das Mälzer-Experiment, was alle hier dargelegten Mythen und Ernährungsirrtümer? Vergessen Sie alle Tipps und Regeln aus den unzähligen Diäten und sonstigen „Systemen für gesunde Ernährung“, die uns vorschreiben, welche Proteine, Kohlenhydrate, Fette, Spurenelemente und sonstige Vitalstoffe, welches Obst, Gemüse, welchen Salat und alles Sonstige wir wann, wie viel und wie häufig essen sollen!

Wellness 2

Tibi-Wellness
Waldsee, Halde Rheinpreußen

Es gibt stattdessen nur noch eine einzige Regel für gesunde Ernährung:

Maßgeblich für „gesundes Essen“ beim Menschen, ob Fast Food, Deftiges oder Mediterranes ist eine hinreichende Vielfalt in der Ernährung, – Fleisch, Obst, Gemüse, Salat -, und eine für die jeweiligen Lebensanforderungen begrenzte Kalorienmenge.

Und auch bei der gesunden Ernährung für unsere Hunde sollten wir uns in erster Linie an ernährungsphysiologischen Erkenntnissen orientieren statt an Mythen und Weltanschauungen und der suggestiven Werbung einschlägiger Firmen.

 

Mythos BMI entzaubert

Gehen wir gleich über zum nächsten großen Fehlurteil bei der Ernährung. Das lautet, normalgewichtige Menschen oder gar schlanke, also diejenigen mit dem BMI (Bodymaßindex) von 18,5 bis 25, seien gesünder als Menschen mit höherem BMI. Auch diese Aussage muss man ins Märchenland verweisen.

Grundsätzlich ist der BMI eine Aussage ohne jegliche Korrelation zum Faktor Gesundheit. Aber inzwischen gibt es Metastudien (= Prüfung von 97 Einzelstudien mit 2,88 Millionen Probanden) mit erstaunlichem Ergebnis. Danach sind Menschen mit einem BMI von 25 – 30 (Übergewicht) gesünder als Menschen mit Normalgewicht zwischen 18,5 und 25 – auch mit längerer Lebensdauer ausgestattet. Selbst bei einem BMI von 30 -35 (leichte Fettleibigkeit) ist die Sterblichkeitsrate noch um 5% geringer als bei Normalgewichtigen! (Alles nur ein Gruppenwert. Der Einzelfall kann immer abweichen.) Quelle Spiegel online, 3.1.013.

Tobe 13

Lebensfreude in Bewegung
Uhlenhorst

 

Die neusten Studien allerdings setzen dem noch die Krone auf. Bei einem Schlaganfall z.B. besteht bei übergewichtigen Männern eine um 14% höhere Überlebensrate als bei Normalgewichtigen. Bei Frauen in ähnlicher Gewichtskategorie liegt die Überlebensrate sogar um 45% höher! Und mein Orthopäde überraschte mich mit der Feststellung, dass Normalgewichtige anfälliger für Gelenk-Arthrosen sind als Übergewichtige! Das widerspricht nun wirklich jeder landläufigen Meinung über biologische Vorgänge.

 

Mit diesen „neuen“ Erkenntnissen nähert sich die medizinische Wissenschaft aber nach „Irrwegen“ von mehr als 60 Jahren dem Stand des Volkswissens vom Anfang der 1950er Jahre an. Noch meine Eltern vertraten die Auffassung, wer was Ordentliches auf den Rippen habe, der stehe Krisen aller Art besser durch als andere. Der könne im Notfall noch etwas zusetzen, der habe eben Reserven. Die beiden Weltkriege und jeweils die Hungerjahre danach haben meiner Elterngeneration diese Lehre „auf die harte Tour“ beigebracht.

 

Schlankheit – spätes, falsches Ideal

In Deutschland entwickelte sich erst in den späten 1950er Jahren Schlankheit als Schönheitsideal. Zum deutschen Wirtschaftswunder gesellte sich das „deutsche Fräuleinwunder“! Davor galt Schlankheit als Merkmal der Armen oder gar Kranken! Nun aber wurde in der beginnenden Überflussgesellschaft das Gegenteil zum Ideal erklärt und fataler Weise durch eine furchtbare Fehlberechnung der Lebensversicherungen über mehrere Jahrzehnte hinweg zementiert. Die Versicherungsprämien – in den USA – wurden nach Normalgewicht und Idealgewicht gestaffelt. Der beste Tarif wurde dem „Idealgewicht“ zugewiesen. Das lag in etwa bei einem heutigen BMI nahe oder gar unter 18. Bis sich heraus stellte, dass hier ein Irrtum von mehr als 10% in der Gewichtsberechnung Pate gestanden hat. Heute gilt ein BMI unter 18 eher als gefährliches Untergewicht!

Ich möchte nicht wissen, wieviel körperlich und psychisch kranke Menschen diese Fehlberechnung der Versicherungen und der damit verbreitete Schlankeits- und Gesundheitswahn nach sich gezogen haben – ganz zu schweigen von den vielen jungen Mädchen, die sich in Magersucht krankhaft schlank – und oftmals auch tot gehungert haben.

 

Ob man diese beim Menschen gezeigten Verhältnisse – eines positiven Übergewichts – auf Hunde so einfach übertragen kann, lässt sich nicht leicht sagen. Von Trumler habe ich mal eine Bemerkung gelesen, wonach erst ein „halb verhungerter“ Hund gesund sei. Konsequenter Weise legt Trumler immer einen Fastentag in der Woche bei seinen Ernährungsratschlägen ein. Aber Trumlers Idealfutter für Hunde ist sowieso etwas Spezielles. Ich bezeichne ihn eigentlich gerne als den ersten Barfer!

 

Genetische Disposition: Guter Futterverwerter!

Sammie - Jacko 6a

Halbbrüder
Sammie normal schlank – Jacko breit und kräftig

 

Aber einigen wir uns für den Hund auf folgende Faustformel: Bei tüchtiger Bewegung ist auch bei ihm etwas mehr als das „Normalgewicht“, für das es übrigens keine wirklich maßgeblichen Berechnungstabellen gibt, kein Grund zu Unruhe. Vor allem, wenn man mit vorsichtiger Reduzierung der als „normal“ deklarierten Nahrungsmenge – auf Fertigfutter findet man grobe Angaben -, merkt, dass sich am Gewicht nicht viel ändert, muss man nicht auf Gewaltdiäten umstellen. Der Hund ist dann, wie es auch beim Menschen vorkommt, ein „guter Futterverwerter“.

Tatsächlich ist inzwischen klar, dass dieses Phänomen sogar genetisch bedingt ist, bei Mensch und Hund! Ein Mensch, der „mit Gewaltdiäten“ gegen diese Disposition anzugehen versucht, wird eher krank als schlank. Mein Hausarzt sagt immer: Machen Sie bloß keine Diät, davon bekommen sie nur Falten! Aber ernsthaft: Besonders für ältere Menschen gilt, abnehmen kann gefährlich sein.

Ich muss hinzu fügen: Es waren in meinen jungen bis mittleren Jahren drei völlig unnötige Diäten, denen ich mich aus Mitleiden für meine Partnerin angeschlossen habe, die mein damaliges „Kampfgewicht“ von 73 kg (bei 1,73 cm Körpergröße) auf mehr als 90 kg haben anwachsen lassen. Erst in den letzten Jahren ist es mir gelungen, durch Umstellen meiner Ernährung und ausgiebiges Marschieren mit meinen Wuffs auf „Mitte“ 80 kg zurück zu kommen. Für einen Körpertyp „Pykniker-Athletiker“ wie den meinen ist das in meinem Alter ein Wohlfühlgewicht!

 

Evolutionärer Vorteil

Es scheint mir nach den bisher dargestellten Fakten offenkundig, dass eine genetische Disposition zur guten „Futterverwertung“ und Übergewicht – zumindest beim Menschen – einen evolutionären Vorteil darstellt – sonst wären die Pummelchen bei den Menschen schon ausgestorben!

Porträt 3

Pykniker-Athletiker mit Tibi „Schlank“ und Tibi „Kräftig“
Bei Dorle

Ich nehme an, dass so etwas auch in einem gewissen Maß auf Hunde übertragbar ist. Denn von ihrer evolutionären Entwicklung her sind Hunde/Wölfe und Menschen Ausdauer-Jäger, die sich bei gelungener Jagd die Bäuche bis zum Platzen vollstopfen können, aber dann auch ausgedehnte Hungerzeiten überstehen müssen. Da ist ein Fettvorrat am Körper sehr hilfreich und vielleicht sogar entscheidend fürs Überleben. (Übrigens: „Wildhunde“ ruhen bis zu 90% eines Tages. Das ist ein probates Mittel, Energie zu sparen!)

Aber im Gegensatz zu den heutigen Zeiten wurde ein solcher Fettvorrat immer relativ schnell wieder in Energie für Bewegung umgewandelt, um das „tägliche Brot“ respektive die nächste Beute zu erwischen. Auf solch einen „Bio-Rhythmus“ von Anlegen und Verbrauchen von Fettreserven sind sowohl Mensch wie auch Hund organisch und im Stoffwechsel ausgerichtet.

 

Ernährung wie beim Wolf?

Schaka

Schaka
Trumler-Station

Zunächst Klarheit zum Wolf: Nordische Wölfe, von denen liegen die besten Untersuchungsergebnisse über die Ernährung vor, ernähren sich zum großen Teil von kleinen Nagetieren, z.B. Mäusen und Lemmigen, und das mit Haut und Haaren. Fleisch- und Fettanteil sind dabei weniger als 50%, der Rest sind Innereien, Haut und Pelz, Knochen, Krallen und die im Gedärm befindlichen halbverdauten pflanzlichen Produkte. Fleisch, dazu tierische und pflanzliche „Nebenerzeugnisse“ sozusagen.

 

Foto links:

Schaka, Wolf-Hund-Mischling, Führerin ihrer Meute und Vorsängerin! Ihre Stimme war Gegenstand biologischer Forschung. Im Sonogramm zeigte sich, was man auch frei Ohr hörte: Schakas Stimme war geprägt durch „nonlineare Phänomene“! Bei einer menschlichen Stimme spräche man von „Timbre“. Das Bild habe ich von einem Original der Trumler-Station in Birken-Honigessen abfotografiert. Vielen Dank noch einmal, Frau Trumler! Man kann dort  übrigens Besuchstermine aushandeln. Es lohnt sich!

Hier weiter im Text:

Neben den Nagern sind es andere Kleintiere wie Hasen und Hühner, dann aber die Großtiere wie junge oder kranke(!) Karibus oder Jungtiere von Moschusochsen (aber ziemlich selten), von denen die nordischen Wolfsrudel leben. Aber auch bei den großen Beutetieren heißt es, die tierischen und pflanzlichen Nebenprodukte machen mehr als 50% aus. Wichtig für Wölfe ist dabei sogar der halbverdaute pflanzliche Darminhalt der Tiere. Er versorgt die Fleischfresser mit wichtigen Nährstoffen.

Man kann einen Hund mit Rindersteaks tot füttern, hat ebenfalls Trumler mal gesagt.

 

Der Hund ist kein Wolf

Nun zum grundsätzlichen Missverständnis: Der Hund ist nämlich gar kein Wolf! Er stammt zwar vom Wolf ab, vom mongolischen Grauwolf, wie der Genetiker Savolainen heraus gefunden hat. Aber in seiner inzwischen mehr als 16 Tausend Jahren Domestikation haben sich viele Verhaltensweisen, aber auch die Ernährung des Haushundes erheblich verändert, nämlich den Lebensweisen und -bedingungen der Menschen angepasst, mit denen er zusammen lebt. Die Veränderungen sind in weiten Teilen auch genetisch manifest.

 

Domestikation als Fleischvorrat

Schakal

Schakal – eine der Wildhundarten – aber genetisch nicht Vorfahr des Haushundes
Trumlerstation

Ich nehme Savolainens Angaben zum frühsten Zeitpunkt der Domestikation des Wolfs zum Hund als zutreffend an, weil die Genstudien, die ihm widersprechen, schwerwiegende methodische Mängel aufweisen. Außerdem hat Savolainen seine früheren Untersuchungen am Mitochondrien-Genom durch Studien am Y-Chromosom der Hunde und Wölfe überprüfen können.

Vor etwa 16 Tausend Jahre ist also der frühste Zeitraum der Domestikation anzusetzen. Südlich des Yangtse-Flusses in Ostasien hat sie sich vollzogen – als geplantes Großunternehmen, wie Savolainen nachweisen kann, und der Grund dafür, sagen wir es mit Savolainen direkt, war die Produktion von Fleisch für den menschlichen Verzehr. Und genau das ist seltsam!

 

Jäger- und Sammler-Gesellschaften

Vor 16 Tausend Jahren befanden sich alle Menschen auf der Erde im Zustand der Jäger- und Sammler-Gesellschaften. Gejagt haben wahrscheinlich eher die Männer: Großwild wie Auerochsen, Wisente, Hirsche, Rentiere usw., vielleicht auch Kleinwild wie Hasen, Geflügel und anderes. Gesammelt haben wohl überwiegend die Frauen: Kräuter, essbare Pflanzen und Wurzeln (sehr wichtig), Früchte (sehr wichtig), Vogeleier, vielleicht auch Insekten und deren fette Maden (hervorragende Eiweißlieferanten) – und wahrscheinlich auch Samen diverser Wildgräser, zu denen auch Einkorn und Emmer gehörten.

Im Gegensatz zum Selbstwertgefühl der jagenden Kerle dürfte der Nahrungsanteil durch die pflanzliche und tierische Kost aus Frauensammlung höher als der gejagte Fleischanteil gewesen sein. (Die Ernährung des Neandertalers übrigens ähnelte viel eher den Wölfen als dem Homo sapiens). Und von wenigen Ausnahmen abgesehen ging es bei Pflanzen nie um Rohkost! Denn die damaligen Menschen – im Gegensatz zu vielen heutigen – wussten sehr wohl, dass etliche Pflanzen Gifte enthalten, die man durch Kochen oder Garen zerstören musste, bevor die jeweiligen Pflanzen bekömmlich waren. Die Praxen von Hautärzten sind heute voll von Rohkostlern!

Dingo 1

Dingo – vorne Rudelchef
Trumlerstation

 

Per Summe aber waren die Jäger und Sammler gut ernährt, deutlich besser als in den späteren Ackerbauergesellschaften. In denen lebten zwar viel mehr Menschen, aber in der Masse deutlich schlechter ernährt – und von viel mehr Krankheiten heimgesucht als die Jäger und Sammler. Warum also suchten die prinzipiell gut ernährten Jäger umd Sammler nach einem Tier zur eigenen Fleischproduktion? Ein deutlich langwierigeres Geschäft als sich das Gulasch und die Steaks von Karibu oder Hirschen zu holen!

Dingor-Rudel

Dingo-Rudel Althunde

Zu beiden Dingo-Fotos: 

Der australische  Dingo ist ein Haushund, der vor ca. 4000 Jahren mit Einwanderern aus Indien auf den 5. Kontinent kam. Die wild lebenden Exemplare sind vom Verhalten her und wohl auch von der genetischen Disposition wieder auf dem Weg zurück zu Wildhunden. In der Trumlerstation wird u.a. mit mehreren Dingo-Rudeln erforscht, was den Unterschied zwischen Wildform und domestizierter Form ausmacht. Die hier gezeigten  erwachsenen Dingo-Hunde sind auf Menschen geprägt und zeigen keinerlei Scheu.Der Alpha-Rüde sitzt – Bild links – ganz vorne!

Ihr Nachwuchs, der nicht in unmittelbarer menschlicher  Gesellschaft aufgewachsen ist, hält zu Menschen die typische Distanz der Wildtiere. Prägung als Voraussetzung für die Nähe zum Menschen ist ein Phänomen, dass bei Haushunden wie bei Wildhunden vorkommt.

 

Knappes Überleben der Menschen

Die Antwort lautet: Den Jägern und Sammlern drohte vor ca. 16 Tausend Jahren der Hungertod! Eine Klimakatastrophe kaum vorstellbaren Ausmaßes, die jüngere Dryas (den genauen Zeitraum zu berechnen ist schwierig, es gibt hier unterschiedliche Zeitangaben), eine brutale Eiszeit auf der Nordhalbkugel von mehr als 1000 Jahren Dauer hatte zu riesigen Dürren in den angrenzenden Gebieten und zum weitgehenden Aussterben der Nahrungspflanzen für die großen Grasfresser-Herden und damit zu deren dramatischen Schwund oder gänzlichem Aussterben geführt. Damit verschwand auch die Basis der Ernährung für die Menschen. Weltweit sollen bis zu 70% der Menschheit ausgestorben sein!

 

Wie wurden die frühen Hunde ernährt?

Und damit gibt es für mich das nächste Rätsel: Wie ernährt man Fleischfresser-Wölfe-Hunde, wenn die menschliche Gruppe nicht einmal den eigenen Fleischbedarf angemessen stillen kann? Das ist der Grund, warum ich lange Zeit skeptisch gegen die These der Domestikation des Hundes als Fleischproduzent gewesen bin. Aber offenbar ging es doch.

Neuguinea-dingo

Neuguinea-Dingo, verwandt mit den Australiern
Trumlerstation

 

Zuerst: Hunde lassen sich wegen ihres Sozialverhaltens viel leichter domestizieren als andere Wildtiere wie etwa Ziegen, Schafe und Rinder. Deren Haustierdasein erfolgte auch Tausende Jahre später. Aber das ist nicht mein Thema.

Also: Was bekamen die Hunde zu fressen unter den oben beschriebenen Verhältnissen? Vielleicht wirklich ein paar ganz spärliche Reste von Fleischmahlzeiten der Menschen – ein paar Fleischreste am Knochen, Sehnen, Knorpel, Gedärminhalte, also das für den Menschen weniger Verwertbare. Dann gekochte Pflanzennahrung, auch dort bestenfalls Reste. Und ganz gewiss machten sich die werdenden Hunde über die Exkremente der Menschen her. Wer sieht, wie sich auch heutige Hunde auf diese menschlichen Hinterlassenschaften stürzen, der hat keinen Zweifel daran. In diesen Hinterlassenschaften finden sich offenbar wichtige Nährstoffe für Hunde in einem geradezu idealen Verdauungszustand.

Marderhund Albino

Marderhunde: Wildfarbe und Albino-Mutation
Trumlerstation

Was immer die Menschen vor 16 Tausend Jahren übrig gelassen haben, über das machten sich sicher auch Nager und anderes Ungeziefer, welcher Art auch immer, her. In diesen Nagern fanden die Hunde vielleicht die einzigen nachhaltigen Fleischportionen vor. Damit dienten Hunde gleich in mehrfacher Hinsicht der menschlichen Hygiene, als Entsorger menschlicher Exkremente wie auch des „Hausmülls“, als auch von ungebetenen Hausgästen, die durchaus Krankheiten auf den Menschen übertragen konnten! So dürften die Anfänge ausgesehen haben.

Foto rechts: Marderhunde, 6. Wildhundform der Hundeartigen, die bei uns vorkommen (Wolf, Kojote, Schakal, Wildhunde, Fuchs, Marderhund). Eingewandert aus dem Osten haben die Marderhunde inzwischen fast ganz West-Europa besiedelt. Als unspezialisierte Allesfresser behaupten sie sich hervorragend in den neu besiedelten Gegenden. Manchmal sind sie schon häufiger vertreten als der Fuchs, obwohl nur wenige Menschen sie zu Gesicht bekommen. Genetisch und auch im Verhalten sind Marderhunde recht weit entfernt von den anderen Hundeartigen.

Weiter im Text:

Andererseits: Ich habe gerade eine Doku über die Tschuktschen gesehen, deren Ernährung in der Tundra Sibiriens noch nahe an die  eiszeitlicher Jäger herankommt. Beide Populationen ernähren/ernährten sich sehr stark von Rentieren bzw. dem Karibu – auch wenn die Tschuktschen inzwischen ihre Rentiere nicht mehr jagen, sondern züchten. Und von den geschlachteten Tieren wird, wie mehrere Tschuktschen ausdrücklich betonten, nichts, aber auch nichts unverwertet gelassen – bis vielleicht auf ein paar ausgekochte Knochentrümmer! Waren die eiszeitlichen Jäger darin ebenso gründlich?

 

Mesolithische Revolution

Doch das Leben der Menschen und Hunde hat seit dieser Zeit dramatische Veränderungen durchgemacht. Wir nennen die erste, gewaltige, die mesolithische Revolution: schlicht die Wandlung zum Ackerbau im Laufe der mittleren und jüngeren Steinzeit. Auch hier dürfte der Hauptantrieb im Nahrungsmangel zur Zeit der „jüngeren Dryas“ gelegen haben.

Schon die Jäger und Sammler haben mit Sicherheit Samen der späteren Getreidearten Einkorn und Emmer geerntet und verwertet. Möglicherweise wurde die Stärke der Samen über Gärung – in einem sehr unappetitlichen Verfahren – zu Alkohol-Kalorien, zu einer Art von Bier umgewandelt und auf diese Weise leichter zugänglich gemacht. „Am Anfang des Ackerbaus stand der Suff“, habe ich mal in einer Schlagzeile des „Spiegels“ gelesen! Und Bier geht nicht nur mit den europäischen Getreidesorten, sondern auch mit Hirse oder Reis! Denn der Ackerbau wurde ganz unabhängig voneinander mindestens in drei unterschiedlichen Weltregionen „erfunden“.

Die uns üblichen Getreidesorten Weizen und Gerste entwickelten sich vielleicht von der Levante und Kleinasien aus nach Westen und Osten in einem bestimmten Klimagürtel bis zum äußersten Zipfel Europas und dem Zweistromland. Hirse wurde am Gelben Fluss angebaut, dem Herz der chinesischen Kultur, und zwar von den Vorfahren und Nachfahren der sino-tibetischen Völkerfamilie, aus der auch unsere späteren Tibeter hervor gegangen sind. Reis wurde nicht weit davon in anderen Teilen Ostasiens gezüchtet – und Mais in Südamerika!

Weizen- und Hirseleute konkurrieren um die frühsten Anbauzeiten! Die ältesten uns bekannten Getreidebunker finden sich in der Levante und sind mehr als 11.500 Jahre alt. Das heißt, für dieses Getreide-Vorratsverfahren muss es bereits einen langen Vorlauf der Getreidezucht gegeben haben, vielleicht Tausende von Jahren. Nur die gezüchteten Getreidesorten sind für eine Ernährung über Vorratshaltung reichhaltig genug!

 

Tibeter stammen vom Gelben Fluss

Khampa

Khampa – Nomade; Nachfahre der Bodic (echte Tibeter)
Foto: Tadra Kinderdorf-Projekt

 

 

Hirse kann man vor ca. 10 – 8 Tausend Jahren am Gelben Fluss in der Ma-Jia-Yao Kultur nachweisen. Ich habe keine Ahnung, was der Name bedeutet. Aber es handelt sich hier bereits um die Tibeto-Burmesische Bevölkerungsgruppe, deren Teile als Ackerbauern (Baric), dann Ackerbauern und Viehzüchter (Bodic =Tibeter), in zwei Wellen nach Tibet eingewandert sind. (Siehe auch auf der Seite „Geschichten“ das „nicht gedruckte Kapitel“!)

 

Foto Khampa: Die Khampa, einst ein gefürchteter nomadischer Räuberstamm, gehören zu den „Bodic“, den „eigentlichen Tibetern“, die vor ca. 2700 Jahren als 2. Einwandererwelle Tibet erreichten. Wie die erste Einwandererwelle, die vom Genetiker Bin Su „Baric“ genannt wird, stammen die Bodic aus der tibeto-burmesischen Bevölkerung, die am Gelben Fluss als Teil der sino-tibetischen Völkergruppe entstanden ist. Sie sind dementsprechend mit den Baric eng verwandt. Die Bodic aber zeigen zusätzlich  eine „substanzielle“ genetische Vermischung mit eingewanderten Völkern aus dem Altai – mutmaßlich Viehzüchter in teilweise   nomadisierender Lebensweise (so etwas Ähnliches wie eine Mischung aus bäuerlicher Lebensweise mit Viehzucht von in der Steppe wandernden Herden (Transhumanz). Heute findet man  in der Almwirtschaft ein ähnliche Wirtschaftsform. Die Altai-Völker sind aber Teil von Wanderbewegungen von Völkern aus Zentralasien  nach Osten.)

Eine weitere Eigenart der Bodic: Sie besitzen eine besondere genetische Veranlagung zur effizienten Nutzung von Sauerstoff in Hochlagen (Das Hochland von Tibet liegt im Durchschnitt bei 4500 Metern). Bei „normalen“ Menschen wie uns, aber auch im Vergleich bei den tibetischen Vettern, den Sin-Völkern, geschieht eine höhere Sauerstoffnutzung durch eine größere Zahl von roten Blutkörperchen – eine Erweiterung des Hämoglobins also. Aber wie beim Epo-Doping besteht hierbei die Gefahr der tödlichen Verklumpung = Thrombosen. Bei den Bodic aber geschieht die Sauerstoffausbeute auf anderem Wege – aber ganz genau weiß man wohl noch nicht, wie das wirklich abläuft.

 

Konsequenzen für die Ernährung der Hunde

Was aber bedeutet die Entwicklung zum Ackerbau für unsere Haushunde? Sie machen die dramatische Veränderung der Ernährung ihrer menschlichen Gruppen natürlich mit – müssen sie mitmachen, weil es sonst kaum etwas anderes als Nager und Insektenmaden zu fressen gibt. Ob die Hunde zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich noch als Fleischprodukte gelten, will ich in Frage stellen. Solange es noch keine Katzen gibt, bewahren Hunde die Getreideproduzenten und deren Vorratslager vor großen Verlusten durch Mäuse und sonstiges Gesindel! Außerdem dürfte mit der Sesshaftigkeit des Ackerbaus die Schutzfunktion der Hunde, Nahrungsmittel sind jetzt Reichtum, mindestens aber Grundlage des Überlebens, immer wichtiger geworden sein. Es galt, die eigenen Essensvorräte zu schützen. Hier spätestens dürfte sich die Wach- und Warnfunktion der Hunde entwickelt haben.

Übrigens: Die züchterische Selektion der Haushunde im Hinblick auf einen höheren Anteil von pflanzlicher Nahrung ist keinesfalls so aufwendig, wie sich manche das vorstellen. Im 20. Jahrhundert hat es  ein züchterisches Experiment zur Domestizierung eines Wild- zu einem Haustier gegeben. Professor Hemmer hat Damwild zu Damtieren umgezüchtet. Um alle wichtigen genetischen  Merkmale für die Domestizierung zu verändern, hat er  etwas mehr 30 Jahre gebraucht. Natürlich hat er gewusst, was er machen musste, um diese Veränderung zu erreichen.

Aber das züchterische Wissen zur Selektion von Wölfen zu Haushunden besaßen auch unsere Vorfahren vor 16 Tausend Jahren längst. Denn schon seit mindestens 39 Tausend Jahren (z.B. Knochenfunde in einer belgischen Höhle) lebten eiszeitliche Menschen mit Haushunden zusammen! Der Genetiker Savolainen vermutet sogar in  dieser Tatsache einen der entscheidenden evolutionären Vorteile des Homo sapiens in der Konkurrenz mit dem Neandertaler!

Allerdings stammen unsere heutigen Haushunde genetisch nicht von diesen frühen eiszeitlichen Hunden ab. Möglicherweise sind diese alten Populationen während der jüngeren Dryas mit ihren Menschengruppen ausgestorben.

 

Die Rolle solcher Wachhunde können wir für diese Zeit gar nicht hoch genug einschätzen. Lange galt bei den Archäologen und Anthropologen der Übergang von der mittleren zur jüngeren Steinzeit als eine besonders friedvolle Ära in der menschlichen Geschichte. Doch das war wohl im Lichte neuer Grabungsfunde ein fundamentaler Irrtum. Im Gegenteil, diese Zeit war offenbar durch besonders erbitterte Aggressionen geprägt! Man hat inzwischen mehrere Massengräber aus dieser Zeit gefunden, in denen 150 oder gar mehr Skelette lagen, Männer, Frauen, Kinder, Alte, die offenbar alle zusammen massakriert worden waren. Alles deutet darauf hin, dass die Menschen in Notjahren, bedingt durch Klimaschwankungen, mit äußerster Brutalität daran gegangen sind, die Nahrungsrecourcen der Nachbarn zu plündern – und diese Konkurrenten völlig auszulöschen!

 

Hunde nach der Domestikation der Pflanzenfresser

Do Khyi

Do Khyi Hündin „Gänsha“ – Wach- und Herdenschutzhund
aus dem Gatzemeier-Rudel
Uhlenhorst

 

Doch dann kommen die nächsten dramatischen Veränderungen, nämlich die Domestikation von Pflanzenfressern als Haustiere, weil sie Pflanzen in Fleisch umsetzten, statt Fleisch und Pflanzennahrung aus der menschlichen Ernährung zu beanspruchen. Die lohnen sich also für die Fleischproduktion besser als Hunde, liefern zusätzlich auch für Hunde selber deutlich mehr „tierische Nebenerzeugnisse“ als Nahrung und machen Hunde in ihrer Eigenschaft als Hüte- und Hirtenhunde, aber auch Wachhunde für die Viehbauern unverzichtbar. In diverser Fachliteratur habe ich gelesen, diese Umwandlung der Hunde zu Hüte- und Herdenschutzeigenschaften sei erst vor ca. 7000 Jahren abgeschlossen gewesen.

Wir können aber bereits eine typische Entwicklung sehen: Die Hunde von Viehzüchtern sind bis heute – auch in Tibet – besser ernährt als bei Bauern, Dörflern und Städtern (nicht berücksichtigt sind die Überfluss-Gesellschaften!)

 

Europäer

Die meisten Menschen heute ahnen aber nicht einmal, wie einschneidend gerade für den Großraum Europa dieser Wandel zur Viehzucht gewesen ist. Vor etwa 7000 Jahren wanderten Menschen aus dem Osten, die sowohl Bauern wie auch Viehzüchter waren, in Europa ein. Sie brachten Tiere mit, vor allem Rinder, die im Einflussbereich des Zweistromlandes domestiziert worden waren.

Aber diese Menschen besaßen eine bis dahin in Europa nicht vorhandene Eigenschaft: Wegen einer genetischen Mutation konnten sie Milch auch als Erwachsene trinken und als Nahrung verwerten. Dieser Nahrungsvorteil war offenbar so groß, dass die Einwanderer die Bauern der Urbevölkerung fast vollständig verdrängt haben! Heute stammen 80% der Europäer von diesen „mutierten“ Bauern und Viehzüchtern ab. Nur 20% lassen sich genetisch auf die Urbevölkerung zurück führen, – und die bekommen Bauchweh und Dünnfitsch, wenn sie Milch trinken!

Außerhalb Europas aber vertragen Menschen als Erwachsene keine Kuhmilch, es sei denn, sie stammen von den „mutierten“ Europäern ab.

 

Abstammung europäischer Rinder und Hunde

Wellness 3

Tibi-Wellness

 

Aber diese Einwanderer haben noch weitere einschneidende Veränderungen bewirkt. Sie vermieden es z.B., ihre mitgebrachten Tiere, vor allem ihre Rinder, mit einheimischen Beständen zu kreuzen. Damit gehen auch die meisten heutigen Rinder letztlich auf die Tiere dieser Einwanderer zurück. Und die Hunde?

Es gibt keine spezifischen Untersuchungen über die Hunde dieser Einwanderer und deren Folgen. Aber ich bin mir sicher, dass diese Bauern und Viehzüchter die ganze Palette der damals notwendigen Hunde mitgebracht haben: Wach- und Hofhunde, Hirtenhunde, Hütehunde! Ohne diese Hunde war in dieser höchst gefährlichen Zeit das Leben der Menschen kaum möglich. Und auch ihre Hunde werden die „Milchtrinker“ nicht mit den einheimischen vermischt haben. Wir können darum davon ausgehen, dass auch das Gros der heute in Europa lebenden Hunde von diesen Einwanderern abstammt.

Ein wichtiges Indiz für diese Annahme ist auch die geringe genetische Vielfalt der europäischen Hunde. Diese beträgt nur 40% der maximalen genetischen Vielfalt der Haushunde, wie man sie vor allem in China und Zentralasien antrifft. Damit stammen die europäischen Hunde von einer recht kleinen Gruppe von Ursprungshunden ab.

Die geringe genetische Vielfalt der europäischen Hunde steht in krassem Gegensatz zu ihrer Rassevielfalt, die weltweit einmalig ist. Aber: Diese Rassevielfalt setzte eigentlich erst vor kurzer Zeit ein, als es zu einer gezielten Rassehundzucht gekommen ist. Und der oft drastische Unterschied in Körperbau, Größe, Kopfform, Haarbeschaffenheit und Farbe besteht bestenfalls aus Mutationen in vielleicht einem Dutzend Genen – kaum mehr! Angesichts von mehr als 20 Tausend Genen des Hundes nicht einmal ein Kratzer auf dessen genetischer Oberfläche.

 

Fremde Hunde

Natürlich dürfen wir bei der Betrachtung der Hundepopulationen Europas die „Fremdimporte“ nicht außer Acht lassen. Zuerst die Avaren, dann die Magyaren, dann vor allem die Hunnen, allesamt Steppenvölker aus den Tiefen Zentralasiens, haben ihre asiatischen Hunde mitgebracht und etliche davon hier gelassen. Auch die Importe von Handelsreisenden oder von Hunde begeisterten Medizinerinnen wie Dr. Greig, die unsere Tibet Terrier nach Europa gebracht hat, müssen wir im Auge behalten. Unsere Tibeter gehören dabei zu den Hunden mit der höchsten genetischen Vielfalt weltweit – und erst Recht in Deutschland. Kein Wunder, wo sie doch von Savolainen ganz nahe an den Ursprungwölfen eingeordnet werden. Doch in Bezug auf die Gesamtzahl der europäischen Hunde sind alle Importe zusammen genommen eher Randerscheinungen.

 

Religion

In Tibet z.B. lässt sich zudem eine typische Sonderentwicklung unter religösen Dogmen beobachten. Mit dem Eindringen des Buddhismus, seit dem 7. Jahrhundert nach der Zeitenwende, wird Fleisch auch in der menschlichen Nahrung immer verpönter. Darum bekommen auch die Hunde überwiegend pflanzlich Nahrung, vor allem Hirse und bestimmte Gemüsesorten, vorgesetzt. Bleiben die Mäuse und Ratten – für die Menschen sind Hunde durchaus eine positive Entwicklung, denn hungrige Hunde dürften besonders eifrige Mäusejäger gewesen sein! Außerdem gelten halb verhungerte Kettenhunde (Do Khyi) als besonders wilde Wachhunde!

Dazu werden Hunde auch mit mysthischen Bedeutungen aufgeladen. Auch hier als Beispiel nur Tibet. Hunde, so glauben die Tibeter, können böse Geister erkennen und den Menschen warnen. „Die Gesellschaft eines Hundes tut dem Menschen wohl“ – alte tibetische Weisheit. Bei den Do Khyi, black and tan, gelten die beiden Augenflecken als „Augen Buddhas“!

Aber es bleibt auch unter dem Einfluss des Buddhismus in Tibet dabei: Bei den Nomaden bekommen die großen Herdenschutzhunde, aber auch die Hütehunde Nahrung aus der Tierproduktion und sind deutlich besser ernährt als anderswo. Aber die pflanzliche Nahrung dürfte immer noch den größten Anteil ausmachen.

 

Paria-Hunde

Unter muslimischem Einfluss werden übrigens Hunde als unrein empfunden. Hier irrte der Prophet zweifellos – und lange nicht alle muslimischen Gesellschaften folgen seinem Verdikt. Vor allem bei den Beduinen sind Hunde, einst als Jagdhunde unverzichtbar, teilweise kostbare Prestige-Objekte, die entsprechend ernährt werden. Als Jagdhunde bekommen sie einen angemessenen Anteil an der Jagdbeute.

Pariahunde

Saudi-arabische Paria-Hunde
Trumlerstation

Aber in anderer muslimischer Umgebung wurden Hunde aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu „Parias“ gemacht. Diese Hunde haben sich unter ständiger Bedrohung durch menschliche Willkürgewalt am Rande menschlicher Siedlungsgebiete knapp so am Leben erhalten. Ihr Verhalten zeigt die ständige Bedrohung als „Ausgestoßene“. Sie unterscheiden sich in ihrer Aggressivität nach außen wie nach innen nachhaltig von den „normalen“ Straßenhunden. Paria-Hunde gibt es z.B. in der Trumler-Station in Birken-Honigessen! In ihre Gehege trauen sich selbst die Betreuer nur mit einem massiven Stock. Und ich würde niemals auf die Idee kommen, einem „saudi-arabischen Paria-Hund“ ein Stück Beute, und sei es nur ein trockener Knochen, wegnehmen zu wollen!

Die folgenden beiden Fotos zeigen persisch-anatolische Straßenhunde, die zwar von herrenlosen, aber nicht von  ausgestoßenen oder  von Menschen verfolgten Straßenhunden abstammen. Ihr Verhalten unterscheidet sich sehr von denen der Paria. Sie sind sehr duldsam und freundlich und nur so ist es möglich, dass auf relativ engem Raum im gleichen Gehege  mehrere Rudel nebeneinander leben können. „Freundlich“ heißt aber nicht, dass es nicht zu Auseinandersetzungen kommen kann. Das Foto rechts zeigt eine typische Dominanzstellung des oberen und die Demutshaltung des unteren Hundes. Ein vergleichbares Foto ist mir nicht wieder gelungen!

Persische Straßenhunde

Persisch-anatolische Straßenhunde

Dominanzstellung

Dominanz-Stellung

 

 

 

 

 

 

 

 

Hundenahrung im Mittelalter

Im europäischen Mittelalter spielen Hunde vor allem an den Höfen der Herren, des Adels also, eine wichtige, privilegierte Rolle. Mir sind aus Deutschland Abgabelisten von abhängen Bauern bekannt, die für die Hunde ihrer Herren bestimmte Mengen an Weizen zur Verfügung stellen mussten. Fleischabgaben dürfte bei diesen Bauern so knapp gewesen sein, dass es für eine gesonderte Hundeabgabe nicht gereicht hat! Fleisch war, wenn überhaupt lieferbar, meist den Herren vorbehalten.

Die Kühe im Mittelalter sind übrigens so klein, dass sie im Frühjahr, wenn sie von der Schmalkost der Wintervorräte weitgehend entkräftet waren, von den Bauern auf die Weide getragen werden mussten – und konnten. Kein Vergleich mit den Leistungsrassen heutiger Tage! Und schaut man auf die Produktivität der Landwirtschaft vom Frühmittelalter bis zum Ende des „Hochmittelalters“, dann weiß man: Über lange Zeiten hinweg war Hunger der ständige Begleiter des größten Teils der Menschen der damaligen Zeit!

Ganz zu schweigen von der sog. „kleinen Eiszeit“, wie man in unseren Breiten die Klimaschwankungen vom 15. bis in die Mitte des 19. Jahrhundert nennt. Bei Wikipedia findet sich u.a. der Hinweis auf „gehäuft auftretende Agrarkrisen, die zu Teuerungen, Mangelernährung und Seuchen führten, was letztlich auch soziale Spannungen in der Bevölkerung verschärfte“. Und wo bleiben die Hunde bei dieser Ernährungslage?

 

Herrenhunde – Jagdhunde

Die Herrenhunde bekamen immerhin den Abfall der Fleischnahrung ihrer Herren. Deren Ernährung war immer deutlich besser als die ihrer Untertanen und sie setzten zudem ihr Privileg auf die Jagd mit brutalsten Mitteln durch. Nicht umsonst gibt es bis heute Gegenden in unseren Landen, bei denen der Wilderer der Held, der Förster und Landesherr aber die Bösewichte sind!

Die folgenden 6 Bilder zum Thema „Herrenhunde – Jagdhunde“ stammen aus der altfranzösischen Handschrift „Livre de la chasse“ – Buch über die Jagd – ein Auftragswerk des Gaston Phoebus, Graf von Foix in Südfrankreich. Es handelt sich dabei vielleicht um das schönste Jagdbuch, das uns aus dem Mittelalter überliefert ist.

Der Graf hatte sich der Liebe und der Jagd verschrieben – er starb 1391 bei einem Jagdunfall -. In seinem Auftragswerk ließ er jagbare Tiere, Jagdmethoden und Waffen beschreiben, aber auch die Pflege und Behandlung seiner Jagdhunde.

Die Jagd war für die höheren Adeligen Fleischbeschaffung, Freizeitgestaltung, Waffentraining und Prestigeveranstaltung zugleich. Auf den Jagden wurden diplomatische Missionen erledigt, Verbindungen geknüpft und wichtige Personen umschmeichelt. Natürlich stellte der Jagdherr auch seinen Reichtum zur Schau. Und seine Jagdhundmeute war, neben den Pferden, eines der wichtigsten „Werkzeuge“ auf der Jagd, aber auch ein beeindruckendes Prestigeobjekt. Eine Jagdhundmeute zu unterhalten – samt Meutenführer und seinen Gehilfen – war eine teure Angelegenheit!

 

Faksimile

Natürlich sehen wir auf diesen Bildern nicht die Originale, sondern Faksimile-Drucke. Aber diese „dem Original ähnlich gemachten“ Drucke sind so wirklichkeitsgetreu gearbeitet, dass man die meisten Forschungsarbeiten mit Hilfe solcher Faksimile durchführen kann, ohne dabei die kostbaren Originale zu strapazieren.

Faksimile werden außerordentlich aufwendig hergestellt und sind deswegen sehr, sehr teuer. Die hier gezeigten Bilder habe ich abfotografiert von einer Ausstellung in der Stadtbibliothek Dinslaken mit dem Titel „Jagdbücher des Mittelalters“. Bestückt und erläutert hat die Ausstellung Herr Klaus Prpitsch, der seit vielen Jahren solche „Juwelen der Buchkunst“ als Faksimile sammelt.

 

Jagdgesellschaft

Phoebus 1 Jagdherr

Livre de la chasse
Seite im Faksimile-Druck
Eigentümer: Prpitsch

Das erste Bild einer tafelnden Jagdgesellschaft zeige ich gleich doppelt, zuerst als ganze Seite aus dem Buch mit dem handgemalten Bild und der wunderschönen altfranzösischen Schrift sowie dem Rankenzierwerk, das die Seite umfasst. So können Sie sich einen Eindruck von der Pracht dieser Handschrift machen.

Beim zweiten Foto habe ich nur das „Gemälde“ heraus geholt und vergrößert, um die wichtigsten Vorgänge darauf zu beschreiben: Eine Jagdgesellschaft bereitet sich mit einem guten Mahl auf die Jagd vor. An der Tischreihe hinten erkennen wir den aufwendig gekleideten Jagdherrn, zu seiner linken Seite, für uns rechts im Bild, sitzt ein bevorzugter Gast.

Rechts vom Jagdherrn, links bei unserer Betrachtung, weist der Jagdaufseher auf einen Knecht hin, der Wildlosung in seiner Hand hält. Aus der Losung kann der erfahrene Jäger wichtige Informationen über das Wild erlangen. Vor dem Tisch sind Knechte mit dem Auftragen von Speisen und Getränken beschäftigt, – und Tischmusik gibt es auch dazu.

Phoebus 1a Jagdherr

Tafelnde Jagdgesellschaft
Bildausschnitt

An der vorderen Tischreihe sitzen die Hundeführer ebenso wie die Pferdeknechte und wahrscheinlich auch Jagdgehilfen, die bewaffnet die Jagd begleiten. Eine Meute von neun Jagdhunden, für deren Hundetypen wir heute keine kontinuierliche Nachfolge erkennen können, wird am Bach getränkt, in dessen Wasser auch die Weinkrüge gekühlt werden. Hinten sehen wir gleich sechs bereits aufgezäumte Reitpferde im Gatter.

Es ist nicht genau zu sehen, welches Fleisch den beiden Herren aufgetischt wird. Wahrscheinlich handelt es sich um Geflügel, ob Wild oder Haushuhn erkennt man nicht. Aber dieses Fleisch ist Herrenprivileg.

Was sich auf den Tischen der Gehilfen und Knechte befindet, sieht man noch weniger. Ich habe den Verdacht, es könnte sich um Fisch handeln. Fisch ist das „Fleisch“ der armen Leute, die Mahlzeit für die Knechte. Die runden Stücke sind offenbar so etwas wie kleine Brote.

Das Bild zeigt also insgesamt zwei priviligierte Jäger und 13 Knechte bzw. „Angestellte“, dazu 6 Pferde und 9 Jagdhunde. Einen solchen Aufwand konnten sich nur finanziell sehr gut gestellte Adelige erlauben.

Das Original dieses Teils der Handschrift befindet in der Pierpont Morgan Library, New York.

 

Pflege der Hunde

Phoebus 2a Pflege

Livre de la chasse
Jagdhund-Pflege

Auch das nächste Bild erscheint doppelt, um die Pracht der Handschrift noch einmal wirken zu lassen. Auf dem eigentlichen Bild wird dann die Pflege der Jagdhunde gezeigt. Insgesamt 19 dieser Hunde sehen wir, die von fünf Knechten betreut werden. Einige Hunde werden gekämmt, andere zum „Gassigang“ zusammen gefasst. Das Original findet sich ebenfalls in New York.

Die hier gezeigten Hunde sehen nur auf dem ersten Blick einheitlich aus, unterscheiden sich aber im Detail, was die Körperform, aber auch den Kopf betrifft. Die Haarfarbe müssen wir als zweitrangig ansehen.

Phoebus 2 Pflege

Pflege der Jagdhunde

Diese Hunde erinnern mich irgendwie an die heutigen Bracken und Pointer, aber das sind eigentlich alles Vorstehhunde, also Jagdhunde für die Fußjagd, keine Meutendogs. Mein „Kynos Grosser Hundeführer“ zeigt eigentlich nur einen einzigen heutigen französischen Lauf- und Meutehund mit ähnlicher Form, den „Grand Gascon-Saintongeois“. Also einen Hund, der heute in den Provinzen Gascogne und Saintogne vorkommt. Er stammt von einigen wenigen Exemplaren ab, die die französische Revolution überlebt haben.

Allerdings gibt es eine Rassehundzucht, wie wir sie heute kennen, erst kaum mehr als 100 Jahre. In der Meute wurden Hunde eingesetzt, die zwar ein gleiches Verhalten und eine gleiche Leistung zeigten, aber durchaus unterschiedlich aussehen konnten – oder auch auf unterschiedliches Wild angesetzt wurden. Aber der größte Teil dieser „Herrenhunde“ in Frankreich hat die französische Revolution nicht überlebt. Es dürfte sehr schwer sein, heutige Rassen auf solche Vorfahren zurück zu führen.

 

Verletzungen der Hunde

Phoebus 3  Krankheiten

Behandlung von Verletzungen der Jagdhunde

Das nächste Bild zeigt die Behandlung typischer Verletzungen der Jagdhunde. Das Original wird in Paris, Bibliotheque nationale, aufbewahrt.

Aus den Einzeldarstellung lässt sich einigermaßen erkennen, welche Verletzungen behandelt werden. Interessanter aber sind die sehr unterschiedlichen Hundetypen. Wir finden sehr schlanke Hunde mit schmalem Fang und Kurzohren, aber auch sehr robuste mit kräftigem Fang und Hängeohren. Sogar ein Rau- oder gar Langhaar sehen wird. Die robusten Hunde könnten für die Saujagd eingesetzt werden! Schaut man auf das Pflegebild und diese Krankenbehandlung, so erkennt man den immensen Aufwand, der mit den Hundemeuten getrieben wurde.

 

Doggen ähnliche Hunde

Phoebus 4 Doggen

Doggen ähnliche Hunde

Auf dem letzten Bild sehen wir eine Ansammlung Doggen ähnlicher Hunde, Rüden und Hündinnen. Die am kräftigeren Kopf erkennbaren Rüden wurden, so steht es in der Beschreibung, für die Jagd auf Wildschweine gebraucht.

In der Ausstellungsbeschreibung steht sogar „Vorfahren der dänischen Doggen“! Oh schocking! Es gibt heute keine dänischen, sondern nur Deutsche Doggen! Und auch hier gilt: Es ist fraglich, ob die im Bild gezeigten Hundeschläge die französische Revolution überlebt haben und im 19. Jahrhundert die Grundlage der Zucht zur Deutschen Dogge abgegeben haben.

Der VDH veröffentlicht jedenfalls folgende Darstellung der Geschichte der Deutschen Dogge: Als Vorläufer der heutigen Deutschen Dogge sind der alte Bullenbeisser sowie die Hatz- und Saurüden anzusehen, die ein Mittelding zwischen dem starken Mastiff englischer Prägung und einem schnellen, wendigen Windhund waren.

Unter Dogge verstand man zunächst einen großen, starken Hund, der keiner bestimmten Rasse angehören musste. Später bezeichneten Namen wie Ulmer Dogge, Englische Dogge, Dänische Dogge, Hatzrüde, Saupacker und Große Dogge verschiedene Typen dieser Hunde nach Farbe und Größe. Im Jahre 1878 wurde in Berlin von einem siebenköpfigen Komitee, bestehend aus engagierten Züchtern und Richtern, unter dem Vorsitz von Dr. Bodinus der Beschluss gefasst, alle obengenannten Varietäten unter dem Namen « Deutsche Dogge » zu erfassen. Damit wurde der züchterische Grundstein für eine eigenständige deutsche Hunderasse gelegt. Im Jahre 1880 wurde anlässlich einer Ausstellung in Berlin erstmals ein Standard für die Deutsche Dogge festgelegt, der seit dem Jahre 1888 vom « Deutschen Doggen-Club 1888 e.V. » betreut wird und im Laufe der Jahre wiederholt geändert wurde. Seine heutige Formatierung entspricht den Vorgaben der F.C.I.

Übrigens: In Wikipedia wird immer noch der Tibet Mastiff, der heute in Deutschland nur noch Do Khyi genannt wird, als einer der Vorfahren der Doggen ins Spiel gebracht: Nicht glauben!

 

Ernährung der Jagdhunde

Wie aber wurden alle diese Jagdhunde ernährt? Wenn das Wild erlegt war, sei es ein Hirsch, Reh oder Wildschwein, wurde das Tier zunächst enthäutet. Bestimmte Teile der Innereien wurden dann in die Wildhaut eingeschlagen und als Balg der Meute überlassen. Der Leithund aber bekam meist das beste Teil, nämlich den Kopf des Wilds mit Blut, Hirn und Zunge. So wusste er, welcher Lohn ihn für eine erfolgreiche Jagd erwartete.

Ich gehe davon aus, dass diese Fleischhappen meist die einzige Fleischnahrung war, die man den Jagdhunden zukommen ließ. Umso eifriger gingen diese Hunde dann die Jagd an. Ansonsten gab es wohl überwiegend eine Ernährung mit gekochtem Getreide und sonstigen pflanzlichen Zusätzen. Für die Ernährung der Herrenhunde mussten die abhängigen Bauern, wie oben bereits bemerkt, eine gesonderte Getreideabgabe leisten.

Die Herrenhunde waren durch eine solche Ernährung ebenso privilegiert wie ihre Herren. Den Hofhunden und den Straßen- bzw. Dorfkötern dürfte es lange nicht so gut gegangen sein. Und damit teilten sie das Schicksal der Menschen, zu denen sie gehörten.

 

 

Ausrottung des Wolfs

Und warum wurde der Wolf in weiten Teilen Europas ausgerottet? Das ist nicht aus „Jux und Dollerei“ geschehen. In der erbitterten Jagd auf den Wolf und der Wandlung seines Bildes zum „Inbegriff des Bösen“ spiegelt sich die existenzielle Not der Menschen in den vergangenen Jahrhunderten wieder. Jede Gefahr für die eigenen „Fleischreserven“ und Nahrungslieferanten in Gestalt der Haustiere wurde als Bedrohung der eigenen Existenz erfahren. Die Menschen konnten sich Wölfe einfach nicht leisten! Das ist erst in unserer heutigen Überflussgesellschaft möglich. Wir können es uns leisten, den Wölfen wieder Lebensraum zu geben!

 

Hunde in der bürgerlichen Gesellschaft

Von dem späten 17. Jahrhundert bis Anfang des 20. Jahrhunderts übernimmt ein neuer gesellschaftlicher Stand die wirtschaftliche Macht in den meisten europäischen Staaten, das Bürgertum. Bürger sind besser ausgebildet als alle anderen und verdienen ihr Geld vor allem über Handel, Bankgeschäfte sowie über die Produktion von Gebrauchsgütern aller Art, zuerst als Handwerker, dann über Manufakturen, dann mit Fabriken. Doch Zugang zu gesellschaftlicher und politischer Verantwortung erhalten sie kaum. Es sei darin erinnert: In Preußen bestand noch bis zum 1. Weltkrieg ein Dreiklassen-Wahlrecht. Dabei konnten im Parlament die Vertreter der Junker und sonstigen Adeligen, obwohl sie die bei weitem geringste Bevölkerungschicht stellte, von den Vertretern der anderen Klassen nicht überstimmt werden!

Ersatzweise bemächtigen sich die Bürger zunehmend der Statussymbole des Adels: Mode, Haushaltung, Pferde und Hunde. Es ist zunächst nur eine kleine bürgerliche Schicht, die so entsteht, aber die kann sich das finanziell leisten. Bei den Hunden dürften zunächst die Haus- und Begleithunde vorgeherrscht haben.

Vor allem mit der industriellen Revolution aber nimmt diese gesellschaftliche Entwicklung dramatische Züge an. Es sammelt sich ein gewaltiger Reichtum im Besitz der Schicht an, die Kapital und Produktionsmittel besitzt. Die feudale Standesgesellschaft verändert sich in weiten Teilen zur Klassengesellschaft, bei der die finanzielle Stellung die gesellschaftliche Funktion und Rolle bestimmt.

Der Adel aber, der im Denken an Grundbesitz verhaftet bleibt, verarmt zunehmend. Viele Adelsfamilien müssen Teile ihres Grundbesitzes – oder fast alles – verkaufen oder an die Kredit gebenden Banken abtreten, die diese Ländereien dann an finanzkräftige Interessenten aus dem Bürgertum versteigern. Reiche Bürger verheiraten ihre Töchter an verarmte Adelige, die einen, um den eigenen Familiennamen aufzupolieren, die anderen, um ihrer Schulden Herr zu werden. Je schlechter aber es dem Adel geht, desto erbitterter klammern sich etliche Vertreter an ihre „Geburtsprivilegien“ und damit den „Vorrechten“ ihres Standes.

Aber mit dem Ankauf der großen Ländereien von Adeligen samt deren Wälder geht auch deren Jagdprivileg an potente Großbürger über. Hinzu kommt, dass einflussreiche Bürger geadelt wurden. Damit ging die gesellschaftliche Form der Jagd auf „hoch betuchte“ neue Herren über, die damit auch die Zucht und Führung der Herrenhunde, der Jagdmeuten, übernahmen, – und damit das Wissen um die Pflege und die Form der Ernährung dieser Hunde.

 

Sieg über den Hunger

Aber der Weg von der ständig unter Hunger leidenden Masse der europäischen Bevölkerung in die heutige Überflussgesellschaft – zumindest in weiten Teilen Europas – ist damit noch lange nicht hinreichend beschrieben. Schon Friedrich der Große konnte mit der Einführung des Kartoffel-Anbaus in Preußen einen wesentlichen Teil der Ernährung seiner Untertanen sicher stellen. Doch den eigentlichen Quantensprung erreichte man Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Einführung des Mineraldüngers in der Landwirtschaft. Gegenüber den landwirtschaftlichen Erträgen zu Beginn des 19. Jahrhunderts ergibt sich bis heute eine Steigerung um das Fünf- bis Sechsfache!

Seit dieser Zeit ist, – von einzelnen Vorgängen wie die große Hungersnot in Irland oder die in Russland während der stalinistischen Herrschaft -, die generelle Bedrohung der europäischen Bevölkerung durch den Hunger gebannt und der Weg in die heutige Überflussgesellschaft vorgebahnt.

 

Überflussgesellschaft

Die nächste große Umwälzung für die Ernährung der Hunde, wie auch der Menschen, ist also die heutige Überflussgesellschaft, wie sie es zumindest in einigen Ländern unseres Kulturkreises gibt. In deren Ernährungsüberfluss erst stellt sich nicht die Frage nach dem Überleben durch Ernährung, sondern der „richtigen“ und gesunden Ernährung.

Was „ungesunde“ Ernährung bei Menschen war, schlichtweg Mangelernährung, habe ich selber noch als Kind in den Nachkriegsjahren mitbekommen, in denen Rachitis, ein Mangel vor allem an Vitamin D und Calcium-Phosphat, noch eine ernsthafte Wachstumsstörung für Kinder dargestellt hat. Heute sind in unseren Breiten solche und ähnliche Erscheinungsformen von Mangelernährung extrem selten. In den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ist die Vorbeugung gegen Mangelernährung aller Art stets enthalten.

Siegerländer Hütehund

Siegerländer Hütehund
Trumlerstation

Bei Hunden stellt sich die Frage nach der Ernährung komplexer. Noch im 19. Jahrhundert werden die bisher vorherrschenden „Landschläge“ nach Funktionen und Arbeitsaufträgen selektiert und in verschieden Rassen ausdifferenziert. Das sind natürlich Hunde für die verschiedenen Formen der Jagd, aber auch Schutzhunde für die Wildhhüter und die Polzei. Andere Beispiele sind die diversen Hütehunde ebenso wie die verschiedenen Bullenhunde oder die Metzgerhunde – siehe Rottweiler. Für die verschiedenen Leistungsanforderungen ergaben sich auch manchmal unterschiedliche Forderungen an das Futter.

 

Foto rechts: Siegerländer Hütehund – Landschlag – Haushund des wissenschaftlichen Leiters der Trumlerstation, Herrn Diplombiologe Dirk Rous. Das ist der Herr rechts im Hintergrund mit blauem Sweat-Shirt und kugeligem Bauch!

 

Arbeitshunde werden Begleithunde

Doch mit der rasanten Zunahme der Verstädterung und Technisierung schwanden viele dieser ursprünglichen Funktionen und Arbeitsaufgaben der Rassehunde – und etliche mutierten dabei zu sog. Begleithunden in einer sich gewaltig ausdehnenden bürgerlichen Schicht, sogar zu bloßen Ausstellungshunden. Das erhielt mancherorts durchaus sehr interessante Rassen, führte aber zu dem heute teilweise nur noch als Unwesen zu bezeichnenden Verirrungen in der Rassehundzucht und in der problematischen Haltung bestimmter Hunde.

Nur Beispiele: Was hat ein Border Collie oder ein Pastore Maremmano Abruzzese ( großer, schwerer Hirtenhund aus der Maremmna und den Abruzzen) in Familienhand zu suchen? Wieso ähneln bei den meisten Rassehunden die heutigen Vertreter fast kaum noch ihren Vorfahren in den 1930er Jahren – obwohl sich die Zuchtstandards in dieser Zeit kaum geändert haben? Auf das Leben unserer Hunde wirken sich nicht mehr in erster Linie Funktion und Aufgabenstellung aus, sondern die oftmals abstrusen Vorstellung der Menschen über das Aussehen und das Leben, auch der Ernährung, unserer Hunde.

 

Voraussetzung für die Ernährung

Aber grundsätzlich heißt das: Die Hunde haben sich – und damit ihren Verdauungsapparat – in den vergangenen 16 Tausend Jahren auf die überwiegend pflanzliche Ernährung – oder auch Mangelernährung der Menschen eingestellt. Genauer: Das ist ein Zuchtergebnis der letzten 16 Tausend Jahre. Die Hunde, die das nicht konnten, haben nicht überlebt! Und dieser Vorgang geschieht weltweit, nicht nur in Europa. Der Hund ist ein Hund und eben kein Wolf!

Fleisch aber war über die längste Zeit in der Gesellschaft des Menschen ein Privileg der Jagdhunde, Herrenhunde bzw. der Hunde finanzstarker Besitzer. Erst in Überflussgesellschaften, in denen genügend pflanzliches Futter frei zur Verfügung steht, um Fleisch zu züchten, steigt der Fleischkonsum der Menschen auf Dauer erheblich an – und stellt auch die Recourcen bereit, um die Frage nach dem Fleisch im Hundefutter neu zu stellen.

 

Ernährung des Hundes

Für die Ernährung unserer Hunde stehen heute drei ganz unterschiedliche Formen der Ernährung zur Auswahl: Fertigfutter, ob trocken oder feucht, aus „industrieller Fertigung“. Dann das Barfen. Und letztlich das Selberkochen, die Eigenanfertigung des Futters nur für die eigenen Hunde.

Alle drei Formen der Ernährung unserer Hunde, das sage ich schon mal vorweg, sind akzeptabel, wenn sie sich nicht als einzig richtige Lehre präsentieren, sondern die Bedarfszahlen nach der Norm des NRC 2006 (National Reasearch Concil) z.B. für Kalzium, Phosphor, Magnesium, Natrium, Kalium, Spurenelementen, Vitaminen, ungesättigten Fettsäuren und Proteinen erfüllen (diese Norm nimmt die Stiftung Warentest als Beurteilungsrichtlinie). Die Norm ist das Ergebnis der wissenschafltiche Forschung der Ernährungsphysiologie der Hunde. Sie nimmt spezifischen Bezug auch auf den Bedarf junger oder alter Hunde, kleine und große Rassen sowie die jeweiligen Leistungsanforderungen.

 

Industriell hergestelltes Fertigfutter

Kommen wir zur ersten Form der Ernährung, zum industriell hergestellten Fertigfutter, egal ob trocken oder feucht! Gegen dieses Fertigfutter, das von großen Konzernen oder kleineren Futtermittelfirmen hergestellt wird, läuft seit etlichen Jahren eine manchmal ans Wahnhafte reichende Diffamierungskampagne unter bestimmten „Hundeleuten“. Ob in Büchern, Zeitschriften oder im Internet, es werden im Wesentlichen folgende Behauptungen verbreitet:

  1. Industriell hergestelltes Fertigfutter wird aus minderwertigen Rohstoffen hergestellt;
  2. Fertigfutter macht die Hunde krank, – wobei so ziemlich alle Bereiche angeführt werden, in denen Hunde krank werden können, nämlich z.B. defekte Gelenkknorpel, Magen- und Darmerkrankungen, Hauterkrankungen, Niereninsuffizienz usw.!
  3. Fertigfutter macht nicht satt, sondern fresssüchtig! Es wird dabei unterstellt, dass womöglich Suchtstoffe und Geschmacksverstärker wie Glutamat enthalten seien.
  4. Die Experten für Hundernährung seien „zu 100% im Griff“ der Futtermittelindustrie. In diesem Zusammenhang findet sich auch der Begriff der „Futtermittellüge“, die von einer „Mafia aus Produzenten und Tierärzten“ zum Zwecke des Verkaufs von bestimmten Futtersorten verbreitet werde.
  5. In einigen Versuchlabors bestimmter Konzerne werde das Futter unter tierquälerischen Bedingungen an Hunden erprobt.

Bevor ich diesen Behauptungen belastbare Fakten entgegen stelle: Ich selber habe die vier Tibet Terrier meiner Amdo-Meute 17 Jahre lang überwiegend mit Fertigfutter ernährt. Sie sind mit 15 und 16 Jahren Lebenszeit auch für tibetsche Hunde sehr alt geworden und nie ist irgendeine auf falsche Fütterung zurück zu führende Erkrankung aufgetreten. Meine Tibet Terrier sind immer satt geworden, aber haben ihre Nahrungsmenge selber begrenzt. Wobei ich mir oft gewünscht hätte, dass mein Rüde Terry, Spitzname „Spargeltarzan“, und meine Hündin Blackie eher mehr hätten fressen mögen. Am Ende starben meine Hunde an typischen Alterserscheinungen wie Herzinsuffizienz.

Und so unproblematisch wie ich füttern seit langem und mit bestem Erfolg etliche TT-Besitzer ihre Hunde mit „industriell hergestellter“ Nahrung. Auch Sammie, mein junger Rüde, und seit 2011 auch Jacko wachsen und gedeihen auf der Basis dieses Futters.

 

Stiftung Warentest

Kommen wir aber nun zu objektiven Fakten. Die Stiftung Warentest hat innerhalb der letzten Jahre insgesamt zweimal Trockenfutter nach den Vorgaben des NRC 2006, siehe oben!, getestet. Das Ergebnis des letzten Tests wurde im Heft 11/2010 veröffentlicht. Danach erhielten von 32 Produkten insgesamt 19 (!) eine Note mit einer Eins vor dem Komma. Lediglich acht Sorten wurden mit einem Mangelhaft bewertet.

Das „Schlimmste“ an diesem Testergebnis aber: An der Spitze der Bewertung mit der Note 1 liegen Futtersorten von Supermärkten wie Aldi, Lidl, Norma, Rewe oder Edeka. Und das war auch schon beim ersten Test vor einigen Jahren der Fall!

Beneful Purina

Note 1.0 Im Warentest

 

Die beiden Tests der Stiftung haben die Hundewelt nachhaltig erschüttert. Das Glaubenscredo etlicher selbst ernannter Ernährungsgurus sowie die massive Eigenwerbung von angeblich „gesunden“ Futtersorten, die vorgeblich nicht von industriellen Herstellern stammen, wurde damit hinweg gefegt. Und dass ausgerechnet Supermärkte und Discounter etliche der besten Futtersorten anbieten, setzt dem Fass die Krone auf! Mit der Folge, dass ich selten so hasserfüllte Schmähungen gegen die Stiftung Warentest gelesen habe wie von bestimmten Hundeleuten. Alle diese Schmähungen folgten dem Motto „Was nicht sein darf, das kann nicht sein“. Die Werbung bestimmter Futterhersteller für ihre „besonders gesunden Futtersorten“ wird von diesen Leuten offenbar so verinnerlicht, dass sie unfähig geworden sind, andere Erkenntnisse zu akzeptieren.

Auch nach dem letzten Test 11/2010 habe ich Kommentare, selbst in angeblichen „Fachzeitschriften“, gelesen, die der Stiftung Warentest Kompetenz, Objektivität und Unabhängigkeit absprechen wollen. Natürlich ohne einen einzigen Beweis, sondern nur mit Unterstellungen und Behauptungen. Und das bei der Stiftung Warentest, die in ihre gesamten Geschichte genau das Gegenteil bewiesen hat. Es dürfte sich bei dieser Stiftung sogar um die einzige Institution handeln, die in unserer Wirtschaftswelt unabhängig handelt und damit objektiv und kompetent urteilt. Ohne diese Stiftung wären wir Konsumenten und Verbraucher hilflos Machenschaften in der Wirtschaft ausgeliefert, auch und gerade bei der Ernährung. Es grenzt schon an Wahnverhalten, wenn sich Tierhalter dazu versteigen, auch die Stiftung Warentest in den Dunstkreis des Komplotts „Futtermittellüge“ einzuorten!

Es gibt andere, sicher auch gewissenhafte Testinstitute, die sicherlich ebenfalls kompetent sind. Aber in der Regel testen diese nach bestimmten grundlegenden Vorgaben, z.B. ihrem „Biogehalt“, die die Wertung der Testprodukte erheblich mitbestimmen.

 

Weitere Informationen

Mit den Ergebnissen der Tests von Trockenfutter werden von Warentest noch weitere wichtige Informationen eingebracht. „Was wirklich drinsteckt, bleibt im Dunklen!“ Denn die genaue Rezeptur der Futtersorten ist Produzentengeheimnis. Ob Feucht- oder Trockenfutter, Hauptsache, es schmeckt, heißt es im Test. Und: Suchtstoffe sind nicht im Futter enthalten. Für Trockenfutter sind Konservierungsstoffe nicht nötig, aber letztlich unbedenklich. Futter mit einem Wasseranteil ab 14% muss Konservierungsstoffe enthalten. Antioxidantien verhindern, dass Fett ranzig wird. Darum sind sie unverzichtbar. Ein Zuviel ist aber schädlich. Das gilt auch für „natürliche“ Antioxidantien. Es gibt Futterallergien wie Durchfall, Erbrechen und juckende Haut. Ob bestimmte Futteranteile dafür verantwortlich sind, lässt sich nur mit einer Ausschlussdiät feststellen.

Ist „Selbstgekochtes“ gesünder? Es ist hier schwierig, die optimale Zusammensetzung zu erreichen. Mangelerscheinungen drohen, ebenso beim Barfen. Dazu komme ich später.

 

Fazit für das Fertigfutter

Ich ziehe in vollem Vertrauen zur Stiftung Warentest ein Fazit! Die ersten vier in den Diffamierungskampagnen gegen Fertigfutter genannten Behauptungen sind durch die Stiftung Warentest ad absurdum geführt worden. Jedem Hundehalter steht heute eine riesige Auswahl bester Fertigfuttersorten zur Verfügung. Für die Auswahl gelten nur noch folgende Kriterien: 1. Schmeckt es meinen Hund? 2. Verträgt der Hund das Futter? 3. Bin ich bereit, für gleiche Futterqualität 14 Cent pro Tagesration zu zahlen oder mit bis zu 88 Cent mehr als das 6-fache, nur weil ein bekannter Markenname oder Bio darauf steht? (Preisangaben gelten für 2010). 4. Beachte ich den Hinweis „Keine Tierversuche“? Denn es gibt sie tatsächliche, diese „Versuchsanstalten“ für die Ernährung von Hunden, in denen bestimmte Firmen die Wirkungen ihrer Futtermischungen an Hunden testen. Eine davon liegt meines Wissens in Waltham on Avon.

Select Gold

Für Jacko, Pummelchen

 

Ein ernst zu nehmendes Argument gegen die Ergebnisse der Stiftung Warentest gibt es allerdings. Es lautet „Beim Test wurde nur der Nährstoffgehalt, nicht aber die Verdaulichkeit des Futters überprüft“. Ich habe bei der Stiftung nachgefragt und eine plausible Antwort bekommen. Sie lautet, von mir aus der rein wissenschaftlichen Fassung ins verständliche Deutsch übersetzt: „Der Faktor Verdaulichkeit wird von vielen unbekannten und unbeherrschbaren Einflussfaktoren geprägt. Ein Testergebnis dazu  besäße nur wenig bis keine Aussagekraft.“

 

Mängel und Skandale

Und ich bin überzeugt, dass auch die mit mangelhaft bewerteten Marken „nachgerüstet“ werden. Die Stiftung nennt unmissverständlich die Gründe für die Abwertung. Meist handelt es sich dabei um Vitamin A Mangel, was zu Problemen mit den Augen führen kann, oder um zu wenig oder zu viel Kalzium. Beides kann zu Schädigungen der Knochen führen. Keine Firma kann es sich leisten, mit einem ständigen „Mangelhaft“ auf den Markt zu gehen. Und mit dem Damokles-Schwert der Überprüfung durch Warentest können sich auch die jetzt hervorragend bewerteten Firmen kein Nachlassen erlauben.

Insbesondere deswegen glaube ich auch nicht, dass es in Deutschland zu einem so schrecklichen Futtermittelskandal kommen kann wie in den USA. Dort wurde von etlichen Firmen Rohprotein aus China verarbeitet. Aber darin waren große Mengen Melamin enthalten!

 

Gefahr aus China

Die meisten Menschen dürften sich noch an die Olympischen Spiele in China erinnern. Durch die Weltpresse ging dabei die Verseuchung von Babymilch durch mit Melamin gestreckter Trockenmilch. Melamin wurde von verbrecherischen Produzenten beigemischt, um einen höheren Proteingehalt vorzutäuschen. Viele Babys sind daran erkrankt, etliche sogar gestorben. Normalerweise werden solche Vorfälle in China nicht bekannt. Nur der Anwesenheit der Weltpresse ist die Aufdeckung der Machenschaften einer verbrecherischen Mafia aus korrupten Parteibonzen und skrupellosen Produzenten zu verdanken.

In den USA wurde durch Melamin verseuchtes Hundefutter eine große Zahl von Erkrankungen bei Hunden hervorgerufen. Die davon betroffenen Firmen dürften sich auf einige kostspielige Entschädigungsprozesse gefasst machen.

Auch in Deutschland sind chinesische Produkte mit erheblicher Schadstoffbelastung bekannt geworden, vor allem Spielzeug, aber neuerdings auch Lebensmittel. Billige Erdbeeren aus China dürften im Jahr 2012 die Ursache von Tausenden Erkrankungen in deutschen Kantinen und Schulmensen gewesen sein. Und man kann nicht ausschließen, dass auch verseuchte Rohstoffe für Hundefutter aus China nach Europa geliefert werden. Doch Dank der Stiftung Warentest dürften sich die Produzenten von für Deutschland bestimmtes Hundefutter in ihren Labors sorgfältig ansehen, was sie da aus China an Rohmaterial herein bekommen.

 

So mache ich das

Welpenfutter

Meinen Sammie habe ich in der Welpen- und Junghundzeit auf der Basis von Mera Dog Junior Trockenfutter ernährt. Das war eine Züchterempfehlung. Interessant an diesem Futter ist insbesondere der zugesetzte Grünlippmuschel-Extrakt. Dessen Wirkstoffe, vor allem Chondroitinsulfat und Glukosaminsulfat, gelten wohl inzwischen sowohl bei den Tiermedizinern wie auch in der Humanmedizin als hilfreich bei der Bildung von Gelenkknorpel. Das findet sich inzwischen fast in jedem Welpen- und Juniorfutter.

Hier kann man möglicherweise schon im ersten Lebensjahr unseres Hundes die Grundlage gegen eine spätere Gelenkarthrose legen. Im fortgeschrittenen Alter spricht dann nichts dagegen, diese Wirkstoffe über Nahrungsergänzungsmittel wieder regelmäßig zu geben. Der TA meiner Amdo-Meute war jedenfalls von der Wirksamkeit fest überzeugt.

Und schauen Sie mal nach, was auf dem riesigen Markt an Nahrungsergänzungmitteln für die menschliche Ernährung so alles angeboten wird. Grünlippmuschel-Extrakt mit „Teufelskralle“ und sonstigen Anteilen sind auch hier der große Renner gegen Knorpelschwund und Gelenkarthrose.

Neuerdings aber habe ich wieder skeptische Beurteilungen gelesen. Mein Orthopäde spricht davon, dass die Menge, die für eine positive Einwirkung von Chondroitin-Sulfat auf die Knorpel meiner inzwischen älter werdenden Gelenke in Frage kommt, über eine solche Zusatzgabe kaum bedient werden könne. Immerhin dürfte aber für Hunde ein Futter mit Grünlippmuschel-Zusätzen nicht schaden. Und das ist mehr, als man über etliche andere Futterzusätze sagen kann.

Doch als Präparat aus der Tierpharmazie ist Grünlippmuschel-Extrakt extrem teuer. Über Internetfirmen kann man andere Angebote suchen. Hier muss man zum Vergleich aber ganz genau die enthaltenen Mengen prüfen. Und auch auf diesem Vertriebsweg sind diese Mittel keineswegs billig!

 

Erwachsenenfutter

Im Alter von 10 Monaten habe ich dann dem Mera Dog Junior bereits Bento Kronen Classic zugemischt. Das ist das Futter, mit dem meine Amdo-Meute alt geworden ist. Beide Marken waren nicht im Warentest vertreten. Aber ich bin, gedeckt durch die Warentestergebnisse, auch experimentierfreudig.

Neuerdings bediene ich mich aus den diversen Futterangeboten mit einem Mix aus Trocken- und Feuchtfutter, z.B. „Domino Nutri Energy“ oder aktuell „Beneful (Purina)“. Dieses Futter war gerade bei Edeka im Sonderangebot und ging mit einer 1.0 aus dem Warentest hervor. Die Liste der Zusatzstoffe zeigt Unbedenkliches. Antioxidantien und Konservierungsstoffe werden angezeigt, vom Test aber als unbedenklich angesehen. Der Testkommentar lautet: „Nährstoffe vollständig gedeckt. Nährstoffverhältnis ausgewogen.“ Die mikrobiologische Qualität, Deklaration und die Fütterungsempfehlungen werden mit sehr gut bewertet.

In das Trockenfutter mische ich meist Feuchtfutter von Edeka wie Domino, jetzt auch „Eigenmarke“ Edeka, Aldi-Romeo oder Fit for fun, einer Marke, die im Fressnapf sehr preiswert zu kaufen ist und als Trockenfutter ebenfalls sehr gut abgeschnitten hat.

Für mein Pummelchen Jacko habe ich als Trockenfutter „Select Gold, light“ geholt, weil hier ein recht geringer Anteil an Eiweiß und Fett ausgewiesen ist. Select Gold ist eine Eigenmarke vom Fressnapf, die aber von „Multifit“ hergestellt wird. Aber ich wechsle auch manchmal auf das Lightfutter von Hill’s. Das ist die Empfehlung meiner TÄ und die Sorte gibt es auch im Fressnapf.

Edeka

150 Gramm – Schalen

Wegen Pummelchen Jacko habe ich auch teilweise von Trocken- auf Feuchtfutter umgestellt. Trockenfutter nämlich besitzt eine Trockenmasse von 90% bei 10% Wasseranteil. Feuchtfutter aber hat nur eine Trockenmasse von 20% und einen Wasseranteil von 80%! Füttert man ein gleiches Gewicht beider Futtersorten, bekommt der Hund bei Feuchtfutter nur etwa ein Fünftel der verwertbaren Nahrungsmenge wie Trockenfutter. Da kann man die Futtermasse ruhig verdoppeln, die Nahrungsmenge als Trockenmasse ist dann immer noch erheblich geringer als beim Trockenfutter. Allerdings ist die Tagesration Feuchtfutter deutlich teurer als das Trockenfutter.

 

Mein Futterplan

Und so sieht zur Zeit mein Futterplan für Sammie und Jacko aus: Beide bekommen ca. 70 Gramm Trockenfutter als Grundlage, Sammie „Beneful“, Jacko „Select Gold light“ oder das Lightfutter von Hill’s. Dazu mische ich ca. 75 Gramm Feuchtfutter aus den 150 Gr. Schalen der Edeka-Eigenmarke. Aber nun kommt der Clou – und alle Tibibesitzer, die mäkelige Tibis haben, aufgepasst!

Rasti

Hundewurst „Rasti“

Das ist meine „Geheimwaffe“, nämlich „Rasti“. Was ist das? Eine vom Fleischhof Rasting hergestellte „Wurst“ aus Fleisch und Innereien von Schwein und Rind. Feuchtigkeitsanteil 70%, also auch mit Antioxidantien und Konservierungsstoffen ausgestattet, – und der absolute Renner bei meinen Beiden! Eine solche Wurst wiegt ca. 350 Gramm und jeder der Wuffs bekommt ein Viertel, also etwa 75 Gramm. Ich schneide die Wurst in ganz kleine Stücke und mische diese unter das andere Futter.

Diese Rasti-Wurst ist kein Alleinfutter für Hunde, sondern sollte immer mit anderem Futter vermengt werden. Der Anteil Trockenmasse bei meinen Portionen beträgt ca. 33 Gramm. Vermischt mit dem Trocken- und Feuchtfutter habe ich hier eine solide Grundlage für ein ausgewogenes, aber mit der Rasti-Wurst auch gleichzeitig äußerst schmackhaftes Futter.

Meine Wuffs sind zuverlässig wild auf diese Zusammensetzung! Die Rasti-Wurst macht aus einem „Astronautenmahl“, wie ich gerne mal zum Trofu sage, ganz offenbar eine außergewöhnlich schmackhafte Hundemahlzeit. Einziger Nachteil: Die „Rasti“ gibt es nur im Süd-West-Bereich Edekas, dort also, wo die Fleischtheken vom Fleischhof Rasting beliefert werden.

Aber ich denke mal, auch in den anderen Bereichen des Edeka-Netzes kann man sich danach erkundigen, ob die dort liefernden Fleischhöfe ähnliche Produkte im Angebot haben. Und ich würde auch hier andere Supermarkt- oder Discounterketten für ein ähnliches Produkt erwähnen. Aber nirgendwo sonst habe ich etwas Vergleichbares im Angebot für Hundefutter entdeckt.

Es ist nicht so, dass meine Wuffs besondere Mäkler und schlechte Fresser sind, auch wenn sie durchaus nicht alles fressen. Sammie-futtern

Aber vor allem Sammie hatte in der Vergangenheit immer mal wieder einige Zicken am Fressnapf gezeigt – meist dem reinen Hundefutter gegenüber, egal ob trocken oder feucht. Aber seit ich die Rasti-Wurst einsetze, ist das Vergangenheit.

Foto: Wenn Sammie beim Futtern aufsteht, dann wird es ernst, dann schaltet er den Turbo ein. Rasti ist die Zündung des Turbo! Aber wenn mein Schwarzer satt ist, dann macht er Schluss. Dann nützt auch das beste Leckerchen nicht mehr. Sammie reguliert sein Gewicht ganz alleine!

 

Zusätze aus der eigenen Küche

Doch Sammie und auch Jacko bekommen auch aus der eigenen Küche ganz bedenkenlos so einiges eingemengt: z.B. Spiegelei mit Speck, gebratenes Gehacktes halb und halb, Leberwurst auf Vollkornbrot, Bio Süßrahm Butter, Thunfisch aus der Dose, Hähnchenfleisch, manchmal Reste von Braten, Steak, Schnitzel und Pekingente, dazu Bockwust, Salami, Mini-Cabanossi, französische Leberpastete, Hüttenkäse, „griechischen Yoghurt mit Honig“, Doppelrahm-Frischkäse, Gouda, gekochten Milchreis, gekochte Hirse (erstaunlich erfolgreich), Bratkartoffeln. Kartoffeln übrigens, ob gebraten oder als Püree, sind so etwas wie ein Geheimtipp bei weichem Kot! Ich reiche auch manchmal Griebenschmalz und anderes mehr.

Zum „anderen“ gehört seltsamerweise Melkfett, auf das Sammie ganz wild ist. Schmiere ich bei Schnee sein Pfoten ein, muss ich aufpassen, dass er mir das Melkfett nicht von meinen Fingern wegleckt, bevor es auf den Pfotenballen gelandet ist.

Ganz verrückt sind meine Beiden auf Knuspermüsli, das sie trocken verputzen, manchmal auch mit Yoghurt gemischt. Und wenn ich nicht aufpasse, mopst sich Sammie meinen Gewürzspekulatius vom Kaffeeteller. Von mir bekommt er aber immer nur ein kleines Stückchen zum Knuspern! Wenn ich mir aber mal ein Gläschen Eierlikör gönne, dann gebärdet sich Sammie ganz rattendoll! Dann will er mir das Glas schier klauen! Ich gebe ihm aber nur einen winzigen Hauch davon zum Lecken.

Und wenn ich mir eine Ladung Erdnüsse aus der Schale pelle, dann bekommen Sammie und Jacko zwei bis drei davon mit. Sie arbeiten dann die Nüsse ganz geschickt aus der Schale. Warum die beiden so auf Erdnüsse aus sind, ist mir unklar. Anderen Nüssen zeigen sie die kalte Schulter.

Jacko-Futtern

Geschadet hat ihnen alles, was ich bisher aufgezählt habe, nicht. Mit dieser Power-Futter-Mischung ist Sammie zu einem temperamentvollen Prachtkerl heran gewachsen – und Jacko entpuppt sich leider als zu guter Futterverwerter, den ich trotz Schmalration und reichlich Bewegung nur sehr langsam „leichter“ bekomme.

Foto: Jacko ist keineswegs ein gieriger Fresser. Er liebt es, seine Ration im Liegen und in aller Ruhe zu knuspern. Nur wenn er fast fertig ist und an die letzten Kroketten nicht mehr drankommt, steht er auf.  Jacko futtert nicht alles, dennoch ist es nur wenig, was er nicht annimmt (z. B. jungen Gouda oder Leerdamer).

Gesamtfuttermenge bedenken

Die Stiftung Warentest hat im Prinzip nichts gegen solche Futterzusätze aus der menschlichen Küche, die ich bereits seit 21 Jahren ganz unbekümmert vornehme. Meine Amdo-Meute zeigte übrigens sogar eine besondere Vorliebe für mit einer mexikanischen Gewürzmischung behandeltem Fleisch! Würzung, wenn sie die mochten, hat meinen Amdos nicht geschadet!

Die Stiftung mahnt aber, die anderen Teile der Futterration dann entsprechend zu verringern. Aber bei Sammie muss ich das gar nicht machen! Denn dafür sorgt er selber. Der frisst nur, wenn er Hunger hat, und auch nur soviel, wie er Hunger hat. Ist er satt, dann nützen auch die besten Leckerlis nicht, auch keine Scheibe „Rasti“. Dann spielt er bestenfalls mit ihnen, wirft sie in die Luft, belauert sie, stürzt sich drauf und wirft sie wieder in die Luft. Nur fressen tut er nicht. Und dann klaut sie Jacko!

Und bei meinen nun insgesamt 7 Tibet Terriern, die bei mir aufgewachsen sind, habe ich bei 5 Wuffs das Gleiche erlebt: Fett füttern, das ging einfach nicht! Nur meine kleine, süße, dicke Sin-Da bildete da eine Ausnahme. Die kontrollierte nach Verputzen ihrer eigenen Ration alle anderen Näpfe auf Reste. Danach waren dort keine Reste mehr zu finden! Es hat mich eine riesige Mühe gekostet, ihre Gewicht einigermaßen begrenzt zu halten. Ich hatte manchmal den Eindruck, als nehme sie schon beim Anblick von Futter zu!

Leider tritt mein Jacko nun in ihre Fußstapfen. Obwohl er meist ein Drittel weniger wie Sammie an Futtermenge erhält, und dazu noch eine Trockenfutterbasis mit geringem Protein und Fettanteil, wiegt er drei bis vier Kilo mehr als Sammie. Auch wenn er ein Kreuz fast doppelt so breit wie mein Schwarzer hat, und Pranken, die in keine Paws für TT passen, wäre ich doch froh, wenn davon ca. 2 kg wieder runter gehen. Ich wende aber keine Crash-Diät an, sondern werde jetzt im Winter versuchen, seine körperliche Belastung durch Mantrailing deutlich zu erhöhen!

Tobe 10

Es heißt, unsere Tibet Terrier besäßen ein Wildschwein-Gen!
Uhlenhorst

 

Leckerchen

Leckerchen bekommen meine Wuffs auch. Ich nehme hier vor allem kleine Stücke Ochsenziemer und in Stücke geschnittene Schweineöhrchen. Dazu kommen auch Sticks von der Edeka-Marke „gut und günstig“. Vergleichbare Sticks bekommt man aber auch in jedem Discounter und Supermarkt oder beim Fressnapf (z.B. Fit for fun) zu gleich günstigen Preisen. Diese Sticks kann man auch in ganz kleine Teile brechen und als Belohnung für diverse Übungen verwenden.

In Ergänzung dazu hole ich auch manchmal Hundeplätzchen, möglichst die preiswerten. Doch eigentlich gilt für alle genannten „Leckerchen“, auch die „preiswerten“, dass sie im Verhältnis zum Normalfutter „schweineteuer“ sind. Aus Schlachtabfällen wird Gold produziert! Manche dieser „Schlachtabfälle“ werden per Kilo zum doppelten Preis von erstklassigem Rindersteak vertrieben!

 

Wechseln der Futtersorte – Extruder

Die Futterfirmen haben natürlich ein Interesse daran, dass man ihrer Marke treu bleibt und möglichst nicht wechselt. Darum wird so ein Wechsel als sehr kompliziert dargestellt. Man müsse über mindestens 8 Tage hinweg die Anteile eines neuen Futters schrittweise erhöhen, damit keine Verdauungsprobleme auftauchen. Das aber ist etwas, was heute weitgehendst überholt ist.

Verdauungsprobleme konnten vor vielleicht 20 Jahren noch eine solche Übergangsmaßnahme rechtfertigen. Damals wurde die Produktion von Futter, vor allem für Hunde, auf ein neues Verfahren umgestellt, dem „Extruder-Verfahren“.

Extruder sind Fördergeräte, die nach dem Funktionsprinzip des Schneckenförderers feste bis dickflüssige Massen unter hohem Druck und hoher Temperatur gleichmäßig aus einer formgebenden Öffnung herauspressen. In der Lebensmittelproduktion wird dieses Verfahren vornehmlich für Hunde, Katzen, Fische sowie andere Tierarten wie Schweine angewendet. Durch die Bearbeitung im Extruder wird das Futter für die Tiere leichter verdaulich und erhöht die Futterverwertung. Außerdem wird durch die hohen Temperaturen das Futter entkeimt (nach Wikipedia).

Leichter verdaulich heißt hier auch, dass der Anteil des tatsächlich im Körper verarbeiteten Futters wesentlich höher ist, zwischen 70 und 80%, als das der alten Futtermittel. Da wurde vielleicht etwas mehr als 60% ernährungsphysiologisch nutzbar gemacht. Der Rest war ungenutzter Abfall, Kot. Darum sind bei extrudierten Futtersorten die Häufchen relativ kleiner als früher.

Stellte man vor 20 Jahren von den „alten“ Futtersorten ohne Übergang auf extrudiertes Futter um, passierte Folgendes: Der Verdauungstrakt der Hunde war an das alte, schwerer verdauliche Futter gewöhnt und besaß dementsprechend einen größeren Anteil vor allem von Darmbakterien, die sich an der Nahrung abgearbeitet haben. Das extrudierte Futter war aber deutlich besser verdaulich und nun explodierte der Bakterienanteil geradezu! Heraus kam „Dünnfitsch“! Erst wenn sich der Magen- und Darmtrakt an das neue Futter gewöhnt und die Darmflora sich wieder eingependelt hatte, ging dieser „Dünnfitsch“ vorüber.

Heute sind – bis auf wenige Ausnahmen – alle Futtersorten extrudiert, also leichtverdaulich. Die Darmflora muss sich nicht urplötzlich auf völlig neue Bedingungen einstellen. Darum kann man eigentlich fast alle Futtersorten übergangslos wechseln. Das mache ich auch manchmal und habe bis heute damit noch keine negativen Erfahrungen gemacht. So sorge ich zumindest beim Trocken- und Feuchtfutter für Abwechslung bei meinen Hunden. Und nicht jeden Tag kommt Rasti dazu, sondern auch mal andere Zusätze aus der eigenen Küche, so wie sie gerade anfallen. Die Verdauungsendprodukte meiner Wuffs hat das nicht merklich beeinflusst.

Es gibt heute tatsächlich noch, aber ganz vereinzelt, Futtersorten, die nicht aus dem Extruder stammen. Solche Futtersorten werden in der Absicht produziert, es dem Verdauungstrakt der Hund nicht zu leicht zu machen. Denn der ernährungsphysiologische Vorteil der Extruder-Sorten wird nicht überall geschätzt. Das findet sich auch im nächsten Abschnitt über das Barfen.

 

B.A.R.F. Biologisches Artgerechtes Rohes Futter

(Lassen Sie sich nicht davon irritieren, dass ich zu Beginn dieses Abschnitts zuerst mal kräftig rumschimpfe. Die gegenwärtige Entwicklung des Barfens sehe ich positiv.)

Wellness 1

Tibi-Wellness

Die deutsche Version der Bezeichnung „Barf“ entspricht nicht der ursprünglichen Bedeutung. Der in den USA entstandene Begriff lautete angeblich einst „Born-Again Raw Feeders“, also „wiedergeborene Rohfütterer“ (siehe Wikipedia) . Eine typische „Heilslehren-Formulierung“!

Eine andere Version der Bedeutung, so belehrte mich meine Lektorin vom Kynos Verlag, Frau Rau, lautet „bones and raw food“ (Knochen und rohes Futter). Der australische Tierarzt Dr. Ian Billinghurst hat diese Ernährungsthese in seinem Buch „Give Your Dog A Bone“ vorgestellt. Diese Version klingt schon deutlich sachlicher. Aber von deutschen Verfechtern des Barfens wird gerne der Begriff „biologisch artgerechte Rohfütterung“ verwendet.

Diese deutsche Übertragung macht den – ursprünglich – ideologischen Anspruch dieser „Futterbewegung“ immer noch deutlich, der mich lange Zeit erheblich abgestoßen hat. Es wird nämlich suggeriert oder sogar behauptet, dass eine andere Form der Ernährung nicht „biologisch artgerecht“ sei.

Tobe 12

Tibi-Wildschwein-Gen in Äktschen!
Uhlenhorst

Ausgehend von den Fressgewohnheiten der Wölfe und anderer Wildhunde wurde das Barfen zunächst für Haushunde als eine Futtermethode entwickelt, die ausschließlich rohes Fleisch, Knochen und Gemüse enthält. Die Zusammensetzung des modernen Fertigfutters entspräche nicht der „natürlichen“ Nahrung des Ursprungs.

Was ich von der Übertragung der Fressgewohnheiten der Wölfe auf Hunde halte, habe ich vorher schon dargestellt.

Die Barfer gehen zudem davon aus, dass modernes Futter den Verdauungstrakt des Haushundes nicht funktionsgerecht beansprucht. Dieser Vorstellung kann ich nicht völlig widersprechen, denn das extrudierte Futter erleichtert zweifellos den Verdauungsprozess. Dadurch wird natürlich die Leistungsfähigkeit dieser Organe reduziert bzw. nicht ausgereizt. Ob das aber zu einer gesundheitlichen Beeinträchtigung führt? Hat das Kochen und Braten von Nahrung die Gesundheit des Menschen beeinträchtigt?

Tobe 14

Nächster Beweis für das Wildschein-Gen im Tibi
Waldsee, Rheinpreußen

Mit Barfen verspricht man sich eine deutliche Verbesserung der Vitalität, Gesundheit und Lebensdauer des Hundes. Die Folgen dieses ehrgeizigen Anspruchs aber, vor allem in den Anfängen, waren oft, nach Wikipedia (aber auch nach Darstellung der Stiftung Warentest und Berichten im Spiegel sowie bei RTL): Mangelerscheinungen, Magen/Darm-Probleme einschließlich Verstopfungen und Durchfälle, Zahnfrakturen und Fremdkörpererkrankungen durch Knochen sowie die Möglichkeit der Übertragung verschiedener Infektionskrankheiten, unter anderem auch aus Mangel an Hygiene auf die barfenden Hundehalter selber. Und vor allem Junghunde sind empfindlich gegen Nährstoffmangel ebenso wie auch Überversorgung bestimmter Nährstoffe. Die genaue Dosierung der Nährstoffe, vor allem mit Calcium, Kupfer, Zink, Jod, Vitamin A und D, ist nicht leicht.

Heutiges Barfen

Um es gleich klarzustellen: Heutiges „Barfen“ unterscheidet sich nach meinem Eindruck ganz entschieden von den Anfängen. Die Barf-Futterpläne werden immer mehr von ernährungsphysiologischen Fachleuten aufgestellt, weniger von Vertretern einer Heilslehre. Sowohl für Gemüse wie auch Fleisch gibt es inzwischen auch ausgewogene „Fertigportionen“ zu kaufen. Es fließen ja inzwischen erhebliche Jahre an Erfahrung ein und man weiß inzwischen, was geht und was nicht – und wie man den gesteigerten Bedarf decken kann.

Darum setzte ich am Ende dieses Abschnitts einfach den Verweis auf einen Link zur Seite von Nadine Nemeth (siehe meine Seite „Links“), deren Barf-Futterplan ich auch in meinem Buch „Unser Hund – Der Tibet Terrier“ eingebracht habe. Ich habe Nadine sowieso versprochen, irgendwann einen Ausgleich für die ansonsten schmerzlichen Kürzungen des Barf-Beitrags zu leisten.

Und Nadine hat inzwischen ihren Barf-Artikel noch einmal „überholt“ und auf den neusten Stand gebracht. Ihre Darstellung ist auf eine sehr angenehme Weise sachlich geraten und sie bietet den an dieser Fütterung Interessierten keine Ideologie, sondern eine gute Wissensgrundlage für ein alternatives Fütterungsangebot und dazu sehr hilfreiche Wochenpläne zur Realisierung an.

Darin unterscheidet sie sich wohltuend von etlichen anderen Barf-Webseiten, auf denen immer noch der ideologische Grundton vorherrscht, der das Barfen als allein selig machende Futtermethode deklariert und alles andere als nicht biologisch und nicht artgerecht diffamiert.

Inzwischen habe ich von einigen TT-Besitzern gehört, dass Barfen bei ihrenWuffs Fütterungsprobleme, vor allem in der Verträglichkeit, behoben hat. Bei anderen aber klappt das nicht. Da nehmen die Hunde dieses Futter nicht an.

Bluttest beim Barfen

Neuerdings habe ich gehört, dass Barfer nach einer gewissen Zeit einen Bluttest machen lassen auf Werte wie Calcium, Phosphat, Kupfer, Zink, Jod, Vitamin A, Mangan, Vitamin D, T 4. Das ist so verkehrt nicht. Auf diese Weise kann man überprüfen, ob man beim Barfen die richtige Mischung für den eigenen Hund gefunden hat.

 

Sammie „no Barf“

Und wie halte ich es mit dem Barfen? Ich habe Sammie ein mir zugesendetes Barf-Menü angeboten. Es kam von einem mir seit längeren bekannten Tibi-Besitzer aus Rodewich, der seine Babsi seit Jahren aus gegebenem Anlass mit „Barf-Nahrung“ versorgt. Als ehemaliger Major der Volksarmee ist er ein versierter Organisator und bereitet sich deswegen immer eine Futtermenge von insgesamt 40 Barfmenüs vor, die er dann einfriert und täglich eine Ration auf Zimmerwärme bringt. Für diese geballte Zubereitung braucht er ca. 3 Stunden. Rechnet man diese Zeit auf 40 Tage um, dann nimmt die einzelne Barf-Mahlzeit gar nicht soviel Zeit in Anspruch, wie mancher vielleicht befürchtet.

Also von Herrn Tietz aus Rodewich bekam ich ein gekühltes Barf-Vollmenü, eine sorgsam bearbeitete Fleisch- und eine pürierte Gemüseration, zugesendet. Beides habe ich gewissenhaft nach Anleitung auf Zimmertemperatur gebracht, gemischt und dann Sammie vorgesetzt.

Leider war das vergebene Liebesmüh. Sammie hat ein paar Mal gekaut – und dann das Menü liegen gelassen. Also barfe ich nicht. So einfach ist das.

 

Selber kochen

Ich habe das noch nie gemacht, zumindest nicht als Hauptmahlzeit des Hundes. Selbstgekochtes als Beifutter, ja. Die Stiftung Warentest warnt beim Selbstkochen, wie schon oben angeführt: „Es ist hier schwierig, die optimale Zusammensetzung des Futters zu erreichen. Mangelerscheinungen drohen!“

Tobe 15

Aber Eicheln fressen unsere Tibis noch nicht!
Uhlenhorst

Dennoch gibt es einige Hundehalter, die das „Selberkochen“ aus den verschiedensten Gründen pflegen. Und inzwischen gibt es für diese Absicht auch eine gediegene Fachliteratur, die dafür eine hervorragende Hilfe darstellt.

Natürlich schaue ich bei diesem Thema zuerst auf den so von mir geschätzen Kynos Verlag. Zu dessen Titeln, aber vor allem auch den Lektoren/innen und deren Fachkompetenz habe ich großes Vertrauen. Sie haben zweifellos die richtigen sachkundigen Autoren ausgewählt.

Auf zwei solcher Fachbücher will ich verweisen, zu finden auf den Webseiten des Kynos Verlags unter „Haltung & Gesundheit“. Zuerst von Gabriele Behling: Frisches Futter für ein langes Hundeleben – Expertenwissen und Rezepte für eine gesunde Hundeernährung!

Aus dem Inhalt: Detailliertes Basiswissen einer gesunden Hundeernährung vom Welpen bis zum Senior. Rezepte für Haupt- und Nebenmahlzeiten von Fleischgerichten bis zu Vegetarier-Menüs. Kapitel zur besonderen Stoffwechselsituation von Dalmatinern und Englischen Bulldoggen mit Vorschlägen für eine speziell angepasste Fütterung. A bis Z der Nahrungsergänzungsprodukte von Aloe Vera bis Wobenzym. Ernährungsratschläge bei Nieren- und Steinerkrankungen, bei Lebererkrankungen, bei vorübergehenden Störungen im Magen- und Darmbereich oder bei Futtermittelallergie mit Rezepten zur Handhabung im Krankheitsfall. Leicht umsetzbare Mengenangaben mit genauen Umrechnungsbeispielen. Tabellen mit Rohprotein, Calcium, Phosphor, Purinen und Harnsäuregehalt.
Über die Autorin: Gabriela Behling, Jahrgang 1954, ist selbständige Apothekerin mit über 30-jähriger Erfahrung in der Ernährungsberatung von Menschen und deren Tieren. Ebenso lange ist sie Besitzerin und seit 1990 auch Züchterin von Dalmatinern in der Zuchtstätte „vom Jagdschlösschen“.

Dieses Buch scheint mir genau das Richtige, um vor allem auch die Grundlagen der Ernährung des Hundes in Erfahrung zu bringen.

 

Und als zweites Buch etwas richtig „Pfiffiges“. Der Titel: „Koch mal was für Bello! Neue Rezeptideen für Hunde“ von Andrea Packulat. Dazu heißt es „Pfiffige und gesunde Rezepte, mit denen es Spaß macht, nicht nur für sich selbst, sondern auch einmal für den Hund mitzukochen. Die meisten Rezepte sind nach kleinen Veränderungen sowohl für Zwei- als auch für Vierbeiner geeignet oder das Hundegericht ergibt sich als Beiprodukt zu Ihrem eigenen Essen. So ist der Aufwand gering und das Vergnügen groß“.

Dann wünsche ich auch meinerseits viel Spaß beim Bekochen ihres Wuffs!

 

Aber ganz wichtig: Beim Thema „Gesunde Ernährung“ immer locker bleiben! Es führen mehrere – und unterschiedliche – Wege zum gleichen Ziel!

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