Mongolenmeute

Wie finde ich einen geeigneten Züchter?

 

 

 

Wie finde ich einen geeigneten Züchter?

(Vollbild: Foto 1x anklicken)

Wenn Sie die Absicht haben, einen Tibet Terrier in ihr Heim zu holen, dann stehen Sie wie jeder Welpeninteressent vor der Frage: Wie finde ich einen geeigneten Züchter? Natürlich ist in dieser Hinsicht der Blick auf die VDH-Ratgeberseiten durchaus hilfreich, um dort einen Fragekatalog zu finden, mit dem Sie zumindest eine grobe Vorauswahl der Züchter treffen können.

 

Foto: Zarena, Frau Huber

Abb 7 Zarena mit C-Wurf Huber - Schweiz

Schanti’s Zarena mit herrlichem schwarzen Wurf, Ruth Huber, Schweiz

Ich will hier aber einen anderen Zugang zeigen, indem ich mich in Ihre Rolle als Welpeninteressenten versetze. Ich will Sie mitnehmen auf dem Weg zur Vorauswahl von Züchtern, die ich für geeignet halte. Es ist natürlich eine sehr persönliche, subjektive Vorgehensweise und es liegt an Ihnen, sich selber zu entscheiden. Aber ich denke, mit 23 Jahren Tibi-Erfahrung und diversen näheren Kenntnissen über die Szene Ihnen den einen oder anderen wertvollen Tipp geben zu können.

 

                            Foto: Bod-ja auf Martinas Arm


Abb. 22 Bod-ja und Martina Khyi-Mi-Kennel

Martina Adamekova mit ihrem Rüden Bod-ja

Außerdem: Ich gehöre keinem Klub an, weder im VDH noch außerhalb. Auch züchte ich nicht mehr und habe keine Welpen zu verkaufen. Darum bin ich völlig ungebunden, habe keine persönlichen Interessen, muss niemandem gefallen und kann das darlegen, was ich für richtig halte.

 

Ich treffe eine Vorauswahl per Webseiten

Die heutige Suche nach Züchtern einer Rasse beginnt bei deren Webseiten. Die Adressen findet man in den Züchterverzeichnissen auf den Webseiten der VDH-Klubs KTR, ILT und CTA. Und gleich hier eingestreut: Ich gehöre nicht zu denen, die Züchter außerhalb dieser VDH-Klubs grundsätzlich verteufeln. Aber zu diesem Thema komme ich am Schluss meiner Darstellung.

 

Also die Webseiten! Einen solchen Zugang zu einer großen Zahl von TT-Züchtern hatte man, als ich vor 23 Jahren mit meinen Tibetern anfing, noch nicht. Aber man muss die Möglichkeiten, über die Webseiten entscheidende Informationen über die jeweiligen Züchter zu gewinnen, auch wirklich nutzen. Dabei will ich Ihnen helfen. Wundern Sie sich aber nicht, dass keine Züchter- oder Kennelnamen im negativen Sinne fallen. Es gibt gute Gründe dafür! Auch unter den TT-Leuten finden sich so einige Leute, die ganz schnell mit dem Rechtsanwalt bei der Hand sind.

 

Foto: Jamala

Abb. 17 P'Jamala-Lamleh von Kamal-a-schila Battke-Kraßnigg

P.Jamala-Lamleh von Kamal-a-schila – Züchter Battke. Sie ist die Mutter meines schwarzen Sammie und Zobel Jacko.

Anderseits stammen die hier gezeigten Fotos natürlich von Züchter/Innen und Ausstellern, denen ich positiv gegenüber stehe. Aber damit ist kein Ausschluss anderer Züchter gemeint. Und: Jeder Hundekauf, so sorgfältig Sie auch planen, ist ein Abenteuer, dessen Ausgang Sie nicht vorher wissen können. Sie müssen sich darauf einlassen – oder gleich darauf verzichten, einen Hund nach Hause zu holen.

 

Sammie - in den 2 Sekunden, in denen mein tibetischer Sturkopf sitzen geblieben ist! Foto: Sadlowski

Samdup (Sammie) Foto: Sadlowski

 

 

 

 

Webseitenralley

Die erste Tugend bei der Sichtung der Webseiten ist Geduld. Die Züchter-Webseiten auf den Klublisten sind meist nach Postleitzahlen geordnet. Damit wird schnell deutlich, welche Züchter in ihrer Nähe wohnen. Aber das heißt noch lange nicht, dass es dort gerade Welpen gibt oder Würfe geplant sind. In Deutschland sind in den Jahren 2010 – 2012 nie mehr als 600 TT-Welpen angemeldet worden, bundesweit! Der TT gehört eben zu den kleinen Hunderassen und die Fahrt zu einem Züchter kann auch schon mal locker über 200 km gehen. Damit sich das lohnt, sollte man an den Webseiten eine sorgfältige, geduldige Vorarbeit leisten.

 

Champion-Webseiten

Es gibt Züchter-Homepages, da springen einem gleich die „Championseiten“ entgegen mit einer fast endlosen Liste von Multi-Multi-Superhunden, bei denen die Spalten die Zahl der Titel kaum fassen können. Die Hunde werden dabei immer in der gleichen Pose präsentiert: Im Seitenprofil mit teils völlig unnatürlicher Schrägstellung der Hinterhand. Dabei sind die Pfoten weit hinter der senkrechten Linie von der Hüfte aus aufgesetzt.

Foto: Schrägstellung

Die Hinterpfoten stehen weit weg von der senkrechten Linie Hüfte-Boden

Typisch für die Präsentationen amerikanisierter Champion: Die Hinterpfoten stehen weit weg von der senkrechten Linie Hüfte-Boden. Eine geradezu groteske Falschstellung beim TT! Beim hier gezeigten TT ist diese Stellung aber eher ein Ausrutscher, nicht gewollt.

Sie können sicher sein: Freiwillig stellt sich ein TT niemals so hin. Beides, die einem ins Gesicht gescheffelten Championtitel und diese Präsentation sind für mich der Grund, ganz schnell den „Weg-damit-Button“ zu drücken. Warum?

 

Ich bezweifle nicht, dass diese Züchter auch ganz liebevolle Welpeneltern sein können und Hunde mit gutem Charakter an die Welpenkäufer bringen. Aber es ist der amerikanisierte Stil ihrer Zucht, der mir zuwider ist. Hier spielen Originalität, Authentizität und Qualität nicht die entscheidende Rolle, sondern das spektakuläre Erscheinungsbild. Das geht auf Kosten der originalen tibetischen Merkmale des Tibet Terriers. Diese „Champions aus amerikanisierter Zucht“ nähern sich immer mehr einem Mini-Afghanen an.

                                                                                                         

                                                                                                             Foto: Bod-ja

Bild 29 Bod-ja Martina

Showdog-Lamleh at its best! Nur auf den ersten Blick sieht Bod-ja, Kennel Khyi-Mi, den gescheckten Dutzend-Champions aus den amerikanisierten Zuchten ähnlich. Doch dieser Lamleh-Rüde besitzt noch alle wichtigen tibetischen Merkmale und wurde zu Recht bei der Tibet-Dog-Europe in Werl als bester Rüde eingestuft.

Wie eine Epidemie rollt diese Amerikanisierung der Ausstellungen und der Zucht seit etwa 2006 über Deutschland und Europa hinweg. Gestützt wird diese Welle durch eine leider ziemlich große Zahl von inkompetenten Zuchtrichtern, die vom richtigen Typ des Tibet Terriers keine Ahnung haben. Und das ist nicht etwa mein Urteil, sondern das der beiden erfahrensten Kenner der Zucht in Europa, von Mike Tempest und Pat Noujaim.

 

 

 

 

 

Pat Noujaim und Mike Tempest – ätzende Kritik

Pat Noujaim hat inzwischen 33 Jahre TT-Erfahrung hinter sich – und sie ist die vom Kennel Club und der „Tibetan Terrier Association“ anerkannte Autorin des „official illustrated breed Standard“, also des seit 2011 in der „F.C.I.“ verbindlichen aktuellen Standards des Tibet Terriers.

 

Mike Tempest blickt auf 41 Jahre TT- Erfahrung und hat seinerseits am vorherigen TT-Standard mitgearbeitet. Es gibt weltweit nicht viele TT-Kenner, die in der gleichen Liga wie Pat und Mike „spielen“.

In einem Beitrag der Zeitschrift „dog world 8-7-11“ beschäftigt sich Pat Noujaim sehr kritisch mit der üblich gewordenen „Hochgeschwindigkeitspräsentation“ der TT im Ring. In spöttischer Weise beschreibt sie einen von ihr beobachteten „BOB-TT“ (Best of Breed – der Beste der Rasse), der sich im Ring so schnell bewegte (bewegen musste – wegen des Vorführers), dass nur ein paar Yards gefehlt hätten und er wäre als „airborne“ abgehoben!

 

Foto: Gyantso „Native Tibetan Terrier“

Abb. 19 Tibet-Import Gyantso Slowenien

Der in Tibet geborene Rüde Gyantso wurde 2007 im Alter von ca. 2 Jahren nach Slowenien importiert. Gemeinsame Besitzer sind Natascha Cok, Elizabeta Valinger und Primoz Peer.

Danach kommt ein heftiger Seitenhieb auf den Richter dieser Ausstellung und überhaupt auf die Richter, die so etwas in ihrem Ring akzeptieren. Diese Richter seien entweder unfähig, ihren Ring richtig zu managen oder ebenso unfähig zu erkennen, dass eine hohe Geschwindigkeit untypisch für die Bewegung des TT sei und nur dazu geeignet, wirkliche Fehler zu verdecken. Denn, so P.N., die wirkliche Qualität der Bewegung bzw. des Gangwerks beim TT könne man bei dieser Geschwindigkeit überhaupt nicht beurteilen.

Im weiteren Artikel stellt P.N. fest, dass es offenbar nur eine sehr begrenzte Zahl von  Richtern gibt, die wirkliche Erfahrung bei der Beurteilung des TT haben.

 

Mike Tempest geht in seiner Kritik noch weiter. Sie erscheint in „our dogs 15.7.11“.
Er bezieht sich zunächst auf den Beitrag von Pat Noujaim und erklärt seine völlige Übereinstimmung mit allem, was Pat schreibe. Er, M.T., habe selber in der Vergangenheit von der Amerikanisierung der meisten Zuchten und ihre Veränderung zu Showdogs geschrieben: „Alle mit der gleichen Konstruktion, exzessiver Winkelung und exzessiver Bewegung“.

 

Foto: Freckels– natürliche Bewegung des TT

Freckels

So sieht das Gangwerk eines Tibet Terriers aus in natürlicher Bewegung ohne Hochgeschwindigkeitsvorführung! Freckels -Silgarhi Octavius – ist der Vater meines Jacko und steht beim Züchterehepaar Battke!

M.T. erwähnt auch einen „wohl bekannten Allround-Richter“, der über seine Erfahrungen beim Richten in den USA berichtet habe – von „Nacken/Hälsen wie Giraffen und Hinterhänden, die sich bis in den nächsten Ring streckten“. M.T. sei dankbar, dass P.N. nun das Gleiche sage.

M.T. charakterisiert die Zuchtentwicklung des TT mit Begriffen wie „je größer, desto besser“ und „je schneller, desto besser“, um „große Anerkennung“ zu erhalten. Er kennzeichnet diese Entwicklung als „unbremsbare fixe Idee“ (wobei das englische Wort „jugggernaut“ eine noch viel drastischere Abwertung im Sinne von „Fetisch, Götze“ aufweist!)

 

Für diese Entwicklung gibt M.T. vor allem den Zuchtrichtern die Schuld. Sie verstünden nichts vom Rassetyp (des TT) und fürchteten, wenn sie sich dem Trend entgegen stellten, dass sie als Dummköpfe da stünden.

 

Zurück zu den „Champion-Webseiten“. Was diese „deutschen“ Multi-Champion-Titel wirklich wert sind, konnte man im April 2014 beim Tibet Terrier Weltkongress in Retie/Belgien sehen. In der Spezialzuchtschau, die traditionell den Kongress beendet, waren viele wunderschöne TT zu sehen. Nur nicht die deutschen „Multi-Champions“! Von denen hatte kein einziger den Weg dorthin gefunden – oder keiner hatte es gewagt, sich einer wirklich kompetenten Zuchtrichterin in einem Wettbewerb der Besten zu stellen. Wohl wissend, dass sie sich nur blamieren konnten. Aber blamiert sind sie schon bereits wegen des Fehlens.

                                                                                                   

                                                                                                     Foto: Spitzenhündin

Bild 71 Siegerin 2

Die Hündin Alilah’s Very Impressed at Waterly aus dem Kennel von Frau Tempest (Ehegatte. Mike Tempest) gewann die Championklasse auf der Spezialty beim Weltkongress in Retie. Die amerikanisierten „deutschen“ Multi-Champions hätten nicht den Hauch einer Chance gehabt.

Die deutsche „Championzucht“ ist nicht nur wegen Retie im internationalen Ansehen schwer beschädigt, denn gerade auch die internationalen Züchter wissen genau, wie wenig wert viele solcher vergebenen Titel sind, weil sie von inkompetenten Zuchtrichtern verteilt worden sind.

 

Wieso kommt es zum Einsatz inkompetenter Richter?

Wie aber kommt es, dass bei vielen Zuchtschauen, auch in Deutschland, so viele ungeeignete TT-Zuchtrichter zum Zuge kommen? Nun, bei großen Zuchtschauen wird immer ein „Zuchtrichter-Pool“ angeboten, aus denen heraus der Einsatz eines Zuchtrichters für einen Klub recht preiswert zu haben ist. Viel preiswerter meist, als einen guten internationalen Zuchtrichter und Spezialisten extra für den TT einzuladen! Da kommen dann sog. „Allgemeinrichter“ zum Zuge mit der Befugnis, gleich mehrere Rassen zur richten. Nur wenige aber haben für die Rasse Tibet Terrier hinreichende Kenntnisse. Natürlich suchen sich die „Champion-Züchter“ Zuchtrichter aus, die auf ihre Showdogs anspringen. Dafür meiden sie dann die deutschen Spezialzuchtrichter und die international anerkannten TT-Kenner wie der Teufel das Weihwasser.

 

Allerdings: Auch unter den Allgemeinzuchtrichtern gibt es einige richtig gute TT-Kenner. „Was ist denn das für ein hässlicher Hund“, soll so ein Richter vor kurzem zu einem der bekanntesten deutschen Multi-Champions gesagt haben. Meine Quelle ist verlässlich. Und bei so einem Richter wird sicherlich in Zukunft kein Showdog mehr ausgestellt.

 

Die Ereignisse in Retie bestärken aber meine Zuversicht, dass die Amerikanisierungswelle in den Ausstellungen und der Zucht sich in absehbare Zeit verlaufen wird. In der „Spezialty“ in Retie wurden hervorragende Hunde aus sehr soliden, bodenständigen Zuchten gezeigt, aber nur drei deutsche Aussteller waren dabei – durchaus mit guten Hunden.

 

Echte Champions

Aber ich will das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Jeder Züchter darf sich zunächst einmal zu Recht darüber freuen, wenn er einen in Ausstellungen ausgezeichneten TT in seinem Kennel besitzt. Und das darf er natürlich auch stolz darstellen. Ja, die beiden besten, erfolgreichsten TT der letzten 20 Jahre waren sogar überhäuft mit Titeln! Allen voran der Rüde Sheydon’s Sam Dup, der fast ein Jahrzehnt lang das Bild des TT in Europa geprägt hat.

 

Foto: Sam Dup

Scan-Foto Battke

Sheydon’s Sam Dup stand im deutschen Schanti-Kennel (Golzem/Horn) und hat in den 1990er Jahren das Bild des Tibet Terriers in ganz Europa fast ein Jahrzehnt geprägt. Ihn kann man einen echten Multi-Champion nennnen. Das Foto stammt vom Züchterehepaar Battke.

Und sein Sohn Norbu ist nicht nur Weltsieger geworden, sondern hat mindestens 14 Titel der besten Kategorie angehäuft. Da quollen die Spalten der Webseiten tatsächlich fast über! Leider sind beide Geschichte.

 

Aber beide stehen nur stellvertretend für eine hervorragende Garde TT deutscher Zucht, die überall in Europa gezeigt wurden. Und auch heute gibt es auch in Deutschland Champion betitelte TT, die ihre Auszeichnungen verdient haben, weil sie noch über alle guten tibetischen Merkmale verfügen. Und diese Auszeichnungen haben sie sich gegen die Benachteiligung in der Konkurrenz mit amerikanisierten Vertretern erkämpft.

                                            Foto: Norbu

Abb. 16 Ski-La-Kyi Norbu Töpfer She-po-la

Ski-La-Khyi Norbu (schwarzer Edelstein) wurde in der Betreuung seiner Besitzerin Frau Töpfer (Kennel She-po-la) zum glanzvollsten Sohn von Sam Dup. Er wurde nicht nur Weltsieger, sondern sammelte auch so viele Titel wie kein anderer TT vor ihm. Norbu wurde 17 Jahre alt.

Den Unterschied der „echten“ zu den „amerikanisierten“ Champions werden sie aber an den Webseiten erkennen. Sie werden sehen, wer seine Hunde und seine Zucht in den Vordergrund stellt oder die Flut seiner Championtitel.

 

Ausnahmsweise Farben

Also, für mich sind die Champion-Webseiten abgehakt! Was dann? Es gibt viele Webseiten, auf denen sich erfahrene Züchter, aber auch junge Familienzuchten präsentieren. Das kann von einer einzigen Zuchthündin durchaus auch bis zu 10 Tibet Terriern im Kennel reichen. Und hier ist das erste und einzige Mal, wo ich nach Farben schaue. Ich sehe mir dazu nicht nur alle Stammhunde an, sondern auch alle Würfe, auch wenn dort eine große Zahl aufgeführt ist.

 

Wenn die Hunde eines Züchters, Stammhunde und Welpen, die ganze Bandbreite der TT-Farben repräsentieren, von Schwarz, Anthrazit, Schwarz mit Silber, Black and Tan, Zobel, Schwarz- und Zobelvarianten mit Scheckung, über Creme, sandfarben, rötlich, (natürlich nicht alle aufgeführten Farben gleichzeitig, aber von Schwarz bis hell), dann bin ich zufrieden. Und was sagt mir das?

 

Foto: Sumashu-Gruppe

Abb. 24 Sumanshu Gruppe Keulers - NL

Alles da, von hell bis dunkel! Die niederländische Lamleh-Züchterin Petra Keulers gehörte zu den erfolgreichsten Ausstellerinnen in der Spezialty beim Weltkongress in Retie (2014).

Ein Züchter, bei dem sich kräftige Farben tummeln, vor allem auch Schwarz, hat dem Trend widerstanden, auf helle Farben zu züchten, weil diese angeblich bessere Verkaufschancen haben. Farbe aber ist unter dem Gesichtspunkt der Zucht ein „Null-Kriterium“, das keine Rolle spielen dürfte. Wo schwarze Edelsteine gehäuft vorkommen, wächst mein Vertrauen darin, dass sich diese/r Züchter/in um die wirklichen Zuchtqualitäten kümmert.

 

Und das Gegenteil davon löst bei mir Alarm aus. Es gibt Züchter, da kann man anhand der Eltern und der Wurffolge erkennen, dass dort immer extremer auf helle Farben, meist mit großen Weißanteilen gezüchtet wird. Bei manchen Welpen könnte man schon den Verdacht bekommen, dass es sich um Albinos handelt. Sind es natürlich nicht. Das Weiß stammt nämlich ausschließlich von Scheckungsgenen. Aber das macht die Farbe nicht besser!

 

Das Weiß von Scheckungsgenen ist nämlich keine Farbe, es ist farblos! Diese Gene verhindern, teilweise oder großflächig, den Austritt der Pigmentzellen aus der Neuralleiste in den Körper. Wo Weiß leuchtet, fehlen schlichtweg die Farbzellen! Und mit dem Weiß steigt die Gefahr von Taubheit, einseitig oder gar beidseitig. Bis heute aber ist nicht bekannt, ob Taubheit bei Scheckungsgenen ein reines Zufallsprodukt ist. Es fehlen dabei im Ohr Pigmentzellen. Beim Dalmatiner, Taubheitsquote bis zu 25%, forscht man inzwischen nach einem eventuellen Verursacher-Gen. In der TT-Zucht forscht keiner.

 

                                                                                               Foto: Hero-Chad


Chad

Hero-Chad Lamleh von Kamal-a-schila gehört zu meinen Lieblingen unter den Tibet Terriern. Ein stolzer, selbstbewusster Rüde! Ich gehe von einer Piebald-Scheckung aus. Chad hat eine recht große Zahl von kunterbunten Welpen gebracht, die alle gesund sind. Ein Beispiel, dass Scheckungen kein Problem darstellen müssen, wenn man mit Sorgfalt züchtet. Züchter: Battke

Ich will hier keine Panik verbreiten. Das Risiko von Taubheit ist bei den TT mit Weißanteilen recht gering. Obwohl: Eine systematische Gehörprüfung gibt es nicht, sodass die genaue Zahl der Fälle unklar bleibt. Ein Hundebesitzer kann durchaus „übersehen“, dass sein TT etwa einseitig taub ist. Ich selber hatte einen Rüden, Zobel mit sehr dezenter irischer Scheckung, bei dem ich nur bei ganz wenigen Situationen festgestellt habe, dass er einseitig taub war.

Übrigens: Es gibt einige wenige, sehr helle Cremefarben beim TT. Diese sehen fast Weiß aus. Aber diese Aufhellung birgt keinerlei Risiken, weil sie von einem anderen Gen ausgeht, dem sog. Extension-Gen.

 

Foto: Helles Creme

DSC_0009

Die Hündin Caresse Ben Mazar-I-Sharif, Züchter Jos Hordijk, NL, wurde in Retie in der Baby-Klasse vorgeführt. Ihre helle Farbe ist kein Weiß, sondern ein stark aufgehelltes Creme, das aus einer Version des Extension-Gens entsteht. Von diesem Gen sind keinerlei Probleme bekannt. Die Ursprungsfarbe Zobel ist nur noch an den Ohren erkennbar.

Fazit:

Bei eindeutigen Anzeichen von Zucht auf extrem helle Farben, vor allem Weiß, habe ich drei Gründe zum Wegklicken, in fallender Reihenfolge: Verdacht auf Mangel an originaler Qualität, Verlust von typischen TT-Farben und ein Risiko auf Taubheit.

 

Hell ist nicht gleich schlecht

Aber es gilt auch hier, nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten! Schon immer gab es bei den TT auch einige mit großen Weißanteilen. Das zeigt z.B. Lingka, eine tibetische Hündin in Deutschland, die vor einigen Jahren direkt aus Tibet importiert worden ist.

 

 

 

Foto: Lingka

Lingka

Lingka, Tibetimport, steht im Kennel „von Jagalaa“, Familie Bock. Mitbesitzerin Frau Keßler, soweit ich weiß. Lingka zeigt nach meiner Meinung die Piebald-Scheckung.

Lingka ist ein echtes Original, eine „native Tibetan Terrier Hündin.“ Ich tippe bei ihrer Farbe auf das Scheckungs-Gen „Extrem White“ oder die Piebald-Scheckung. Ihre Nachkommen sind kunterbunt und ebenso der Heimatkennel „von Jagalaa“ (Familie Bock).

In Tibet werden die weißen Tibet Terrier „Schneelöwen“ (ssengge) genannt und sehr verehrt. Schneelöwen sind mythische Figuren, die als Beschützer Buddhas verstanden werden. Und jeder Dalai Lama, auch der gegenwärtige, hat einen Ssengge in seinem Kennel. Aber weiße TT sind in Tibet selten entsprechend dem natürlichen Vorkommen.

 


  Foto: Schneelöwin Annie   

Meine Schneelöwin Annie, zum Zeitpunkt der Aufnahme fast 16 Jahre alt.

Zufallsnachkommen

Gerade auch bei den kleinen Zuchten, die vielleicht zwei Zuchthündinnen und einen Rüden beheimaten, früher wurden diese gerne abschätzig „Hausfrauenzuchten“ genannt, kann es auch durch Zufall bloß helle Farben geben. Das hängt von der „Ausgangshündin“ ab. Ist diese mit viel Weiß ausgestattet und stammt auch aus einer „weißen“ Familie, dann kann auch ihr Nachwuchs hell geraten. Das ist dann eher ein Zufallsprodukt –  oder eine logische Folge der Elternschaft.

 

Foto: Bhoomie, Mutter Bod-jas

Abb. 21 Bhoomi Lamleh Schambala Khyi-Mi Kennel Adamekova-Slowakei

Bhoomie ist die Mutter des oben gezeigten Lamleh-Rüden Bod-ja. Ich vermute die Piebald-Scheckung. Mit einer hellen Hündin als Ausgangspunkt der Zucht ist es erwartbar, dass es gescheckte Welpen im Nachwuchs gibt. Dahinter steckt keine absichtliche Zucht auf Farben. Bhoomi zeigt die gleichen Qualitäten als Tibet Terrier wie ihr Sohn Bod-ja.

Ich selber habe eine gewisse Sympathie für diese kleinen Zuchten. Allerdings gibt mir ein Umstand zu denken. In den Züchter- und Mitgliederversammlungen tauchen diese Züchter/Innen nur selten auf, ebenso wenig wie bei Ausstellungen. Und auch in Retie beim Weltkongress (Spezial-Dog-Show) sah ich keinen einzigen Vertreter. Ich frage mich bei solchen Verhaltensweisen, was eigentlich deren Motivation zur Zucht ist, wenn sie kaum eine Gelegenheit wahrnehmen, sich weiter zu bilden und zu lernen, wie gute TT aussehen! Würde ich eine dieser kleinen Zuchten in meine Vorauswahl nehmen, hätte ich bei einem Besuch einige sehr bohrende Fragen. Aber dazu komme ich erst im zweiten Teil!

 

                                                                                    Foto: Xania

Xania4

Mein Liebling, die alte Hündin Xania; Gatzemeier

Hunde in Rente?

Wenn ich mit der Farbpalette einverstanden bin, schaue ich nach dem Alter der „Stammhunde“. Vor allem dann, wenn eine Zucht 6, 7 oder mehr erwachsene Hunde hat, dann müssten sich darunter auch „Rentner“ befinden. Eine TT-Hündin wird mit dem Erreichen des 8. Lebensjahres aus der Zucht genommen. Bis dahin darf sie maximal 6 Würfe bringen. Die meisten Züchter bleiben unter dieser Zahl. Bei einem Rüden gibt es keine mir bekannte Regel. Wenn sein Sperma von guter Qualität ist, kann er auch in einem höheren Alter decken. Meiner Erinnerung nach hat mal der 13-jährige Silgarhi Varius (Jerry) eine meiner Hündinnen gedeckt. Aber das ist eine Ausnahme. Mit 11,12 Jahren dürfte die Zuchtkarriere eines Rüden oft vorbei sein.

 

Foto: Kennel E-ka-ya-na

Abb 11 Mama Lhy Lhy Sha und Anuja Willem-S.Ilk

Mama Lhy Lhy Sha mit Anuja Züchterin: Ursel Wiellem Foto: Sabine Ilk

 

 

Ein Tibet Terrier kann gut und gerne 16 Jahre alt werden. Dann ist eine Hündin locker 8 Jahre, ein Deckrüde 4 oder 5 Jahre „unproduktiv“ in Rente. Für den Züchter ist das durchaus eine erhebliche finanzielle Belastung. Und ich habe Züchter gekannt, die ihre alten Hunde „entsorgt“ haben. Meist wurden Verwandte oder gute Bekannte damit beglückt. Auch mir wurde mal so etwas geraten. Aber einen älteren Hund aus der ihm vertrauten Familie und seinem Rudel zu reißen, dass kommt für mich nie in Frage. Und das nehme ich auch jedem Züchter übel.

 

Foto: Hero-Chad

Tschad 1 Webseiten

Der wunderbare Lamleh-Rüde Chad wird nicht mehr in der Zucht eingesetzt. Selbstverständlich bleibt er im Kennel „von Kamal-a-schila“ bis zu seinem Lebensende.

 

Inzuchtkoeffizient (IK)

Nächstes Prüfkriterium ist der „Inzuchtkoeffizient“ (IK)! Seit mindestens zwei Jahren gibt es beim größten TT-Klub in Deutschland ein PC-Programm, mit dem man den „Inzuchtkoeffizienten“ einer Verpaarung für 10 Generationen zurück errechnen kann. Dabei muss man als Welpenkäufer gar nicht einmal genau wissen, was ein Inzuchtkoeffizient (IK) ist, sondern nur soviel: Er darf auf keinen Fall 6,25% erreichen. Das ist bereits eine Verpaarung zwischen „Cousin“ und „Cousine“.

 

Warum ist der IK so wichtig? Jeder Hund wird, übrigens so wie jeder Mensch, mit ca. 50 „krankheitsrelevanten“ Genmutationen geboren. Bei etwa 4,8  Milliarden Basenpaaren im Genom eines Hundes ist das eigentlich eine verschwindend geringe Zahl. Und diese Mutationen sind in der Regel „rezessiv“. Das heißt, das defekte Gen kann durch ein paralleles Gen von Vater oder Mutter „zugedeckt“ werden, sodass es keine Krankheitswirkung entfaltet.

 

                                                                               Foto: Bunte Meute

 

Abb. 18 Nila, Pipa und Balou Petra&Karl Mohr

Nila, Pipa und Balou sind eine wirklich bunte Truppe und bei Petra und Karl Mohr zu Hause (auch Foto)

Das klappt aber nur, wenn die Eltern mindestens über 10 Generationen keinen gemeinsamen Verwandten haben. Andernfalls kann es passieren, dass beide das gleiche Schadgen besitzen, das nun bei den Welpen zu einem reinerbigen defekten „Doppelgen“  zusammen findet. Und da es in der Rassehundzucht leider viele Züchter gibt, auch bei den TT, die sich in der Vergangenheit wenig um Genetik gekümmert haben, sogar Inzucht förderten in der Meinung, damit „gute“ Eigenschaften fixieren zu können, gibt es viele verwandte Hunde, die viel zu früh wieder verpaart werden. Und darum gibt es in der Rassehundzucht eine Reihe von Gendefekten, die alle und ausschließlich auf Inzucht zurück zu führen sind.

 

Für typische Gendefekte beim TT gibt es Gentests: Linsenluxation (LL), Canine Ceroide Lipofuszinose (CCL – ein tödlich verlaufende Krankheit) und PRA (Progressive Retina Ablösung); bei PRA deckt der Gentest bisher aber nur 50% der Fälle ab. Bei der HD und Patellaluxation wird geröntgt, allerdings nur mit einer Prognosewirkung von 25%.

 

Foto: Bunte Servos-Meute

Abb. 23 Servos Gruppe

Dieses bunte Trio gehört zur Familie Servos. Kennelname: Anandamaya’s. Foto: Doris Servos

Dazu kommen Augenuntersuchungen, die von Fachärzten von der „DOK-Liste“ durchgeführt werden müssen. DOK heißt „Dortmunder Kreis“ und bezeichnet im Moment etwas mehr als 80 Tierärzte bundesweit mit anerkannt hoher Kompetenz und entsprechender Ausstattung für Augenuntersuchungen. Das war’s. Diese Tests und Untersuchungen sind Pflicht und in der Regel weist der Züchter auch auf seinen Webseiten darauf hin.

Alle anderen Gendefekte, etwa Verringerung der Leistung des Verdauungsapparats, des Immun- und Herzkreislaufsystems, Arthrose-Anfälligkeit und und, werden nicht erfasst. Diese Gen-Defekte bleiben sowieso meist verborgen und quälen dann später die Hundebesitzer. Und es gibt nur ein einziges Mittel gegen diese „Inzuchtdepressionen“: Ein IK, der sich deutlich unter 6,25% bewegt, mindestens mit einer 4 vor dem Komma, am besten aber von 0,00%! Dann ist die Wahrscheinlichkeit von ausbrechenden Gendefekten relativ gering. (Aber immer noch nicht völlig ausgeschlossen). Normalerweise erwarte ich, dass ein Züchter – freiwillig – den Inzuchtkoeffizienten eines Wurfs auf den Webseiten angibt.

 

                                                                                    Foto: Enyas Welpenschar

Enaya mit A-Wurf

Diese Welpenschar nach meinem Herzen kommt aus dem Kennel „von Basum Co“; Züchterin: Corinna Schmitt-Haas. Das helle Etwas ist die Mutter Enya (Namayali´s Queeny Enya; Liebelt). Der schwarze TT ist die Hündin Orissa Tara.

Absurderweise wird bis heute in der TT-Zucht kein Grenzwert des IK vorgegeben. Darum hat es selbst in der gar nicht so weiten Vergangenheit sogar Verpaarungen mit einem IK von 28% (!) gegeben! (Ein IK von 25% resultiert bereits aus einer Vollgeschwisterverpaarung). Für einige USA-TT hat eine mir bekannte Züchterin sogar einen IK von 12% bis zu 30% ausgerechnet. Und das, obwohl die schädlichen Folgen der Inzucht den Züchtern und Zuchtklubs seit langer Zeit sehr wohl bekannt sind und in der gesamten Kynologie stets davor gewarnt wird.

Der Mangel an einem verbindlichen Grenzwert und an einem Konzept zur Reduzierung des gesamten IK-Niveaus in der TT-Zucht Deutschlands gehört zu den Unverantwortlichkeiten, die ich in den vergangenen Jahren immer wieder gegeißelt habe. GsD gibt es doch einige Züchter, die auf einen akzeptablen IK Wert legen. Wenn dieser nicht auf den Webseiten angegeben ist, muss man bei einer Begegnung unbedingt danach fragen.

 

Der Telefonkontakt

Ich würde nie den ersten Kontakt zu einem Züchter/einer Züchterin per E-Mail-Anfrage herstellen, sondern immer über Telefon. Ich will mein Gegenüber hören und mir auf diese Weise schon ein erstes Bild machen. Und natürlich akzeptiere ich, dass sich mein Gegenüber ein Bild von mir macht. Ein gewissenhafter Züchter prüft seine Welpeninteressenten sorgfältig. Das ist nichts Belästigendes. Aber natürlich prüft auch ein kluger Welpeninteressent den Züchter. Letztlich aber ist Hundekauf eine Vertrauenssache – und Sympathie spielt eine große Rolle. Und niemand kann Ihnen verdenken, wenn Sie mehrere Züchter kontaktieren.

 

Foto: Rangshi-Welpen

Abb 23 Eine bunte Welpenschar im Rangshi-Kennel Menges-Mohr

Diese wahrhaft bunte Welpenschar stammt aus dem Rangshi-Kennel (Menges-Mohr).

Ich würde bei diesem Telefonkontakt keine Welt bewegenden Prüffragen stellen. Lediglich den Hinweis auf die Webseiten geben, das Interesse an einem TT bekunden und einen Besuchstermin ausmachen. Fragen Sie bloß nicht nach Farben! Wenn Sie deutlich machen, dass ein schwarzer Hund für Sie nicht in Frage kommt, weil man den im Flur so schlecht sehen kann, dann dürften Sie bei einem guten Züchter sofort aus dem Rennen sein!

Und legen Sie sich per Telefon auch nicht unbedingt fest auf Rüde oder Hündin. Ich weiß noch sehr gut, wie es mir und meiner Frau erging. Meine Frau wollte einen schwarzen Rüden – und heraus kam eine weiße Hündin, meine Schneelöwin Annie. Und auch beim zweiten TT sollte es unbedingt ein schwarzer Rüde sein. Heraus kam der Zobel Terry, mit irischer Scheckung. So kann es gehen. Seien Sie offen für das, was sich Ihnen dann wirklich anbietet. Bei mir sind es dann doch bei 7 TT insgesamt vier Schwarze geworden.

 

Foto: Taro der Prächtige

Taro 1

Taro-Lamleh von Kamal-a-schila; Züchter Battke; So prachtvoll sieht ein schwarzer TT aus!

 

Der erste Besuch

Der erste Besuch ist der wichtigste. Hier entscheidet sich auf beiden Seiten, ob die Beziehung andauert oder beendet ist. Hier erforscht der Züchter, ober er Sie als Bewerber in die enge Auswahl nimmt, und hier entscheiden Sie, ob das der Züchter und die Welpen ihrer Wahl sind. Der VDH hat auf seinen Webseiten einige sehr hilfreiche Beurteilungskriterien für die Auswahl des Züchters eingestellt. Die gelten natürlich für alle Rassehundzüchter. Aber natürlich ist es auch für Sie wichtig, dass Sie die Zuchtstätte genauso sehen wie auch die Zuchthündin und die Welpen persönlich erleben können – einschließlich der anderen beim Züchter lebenden Stammhunde.

 

Foto: Nachwuchs vom Tibetimport

Abb 6 Emma mit O'J.J. Jambeyang SiSi von Jagalaa

Emma mit O‘ J.J. Jambeyang SiSi; Kennel von Jagalaa; Familie Bock

Wenn Sie die Zuchtstätte nicht sehen dürfen – wg. „hygienischer“ Gründe etwa -, oder wenn die Hündin gerade auf Spaziergang mit der Enkelin ist u.ä., dann sollten Sie höflich den Besuch zum Ende bringen und diesen „Züchter“ abhaken.

Ansonsten beurteilen Sie die Vitalität der Mutterhündin und die Zutraulichkeit der Welpen. Das ist sehr wichtig, aber das gilt natürlich für alle Hunderassen. Lassen Sie ihren Menschenverstand walten und machen sich ein Bild von Zuchtstätte, Züchter, seinem Verhältnis zu seinen Hunden und dem Verhalten der Hunde. Ich selber schaue noch darauf, ob die Welpen in ihrem Auslauf Spielsachen oder andere Objekte vorfinden, die sie zu Erlebnissen anregen.

 

In meinem Welpenauslauf, das ist schon ein paar Jahre her,  habe ich eine regelrechte Erlebniswelt mit Bergen, Tunneln, Höhlen, mit Wasser, Erde, Zweigen, Laub und sonstigen natürlichen und künstlichen Objekten aufgebaut, um die Welpen an ihre Umwelt zu gewöhnen. Wenn Sie Ansätze davon finden, wissen Sie: Der Züchter hat sich Gedanken um die Sozialisation und Beschäftigung der Welpen gemacht.

 

                                                                                 Foto: Knutschkugeln

Abb 24 Knutschkugeln aus dem Shuga la - Kennel Keßler

Knutschkugeln aus dem Shuga-la-Kennel; Keßler

Die Prüffragen

Aber nach dem ersten Entzücken über die niedlichen Kleinen wird es ernst. Jetzt ist es an der Zeit, für den Züchter wie auch für Sie, entscheidende Klarheit zu gewinnen. Der Züchter wird Sie nach ihren Erfahrungen mit Hunden und auch zu ihren häuslichen Verhältnissen fragen – vor allem auch, wie viel Zeit Sie sich mit dem Hund beschäftigen wollen und können. Kinder spielen auch eine Rolle. Bringen Sie ihren Nachwuchs unbedingt zum Züchterbesuch mit! Es hat übrigens für Sie keinen Zweck, wenn ihre Kinder Angst vor Hunden haben!

Vielleicht will der Züchter auch wissen, was Sie mit ihrem Hund im Urlaub machen. Bei mir ist es in 23 Jahren nicht vorgekommen, ohne meine Hunde in den Urlaub zu fahren. Ganz rigoros! Wenn ich mich zu einem Hund entschließe, das sollten Sie sich vor halten, müssen Sie auch die Konsequenzen im Auge haben und diese bejahen.

 

Foto: E-ka-ya-na

Abb 17 O Lhy Lhy Welpe Willem-Ilk

O Lhy Lhy Welpe -U. Wiellem/S. Ilk

 

Die wichtigsten Fragen an den Züchter

Aber nun sind auch Sie dran. Meine erste Frage ist, wenn auf den Webseiten nicht angegeben, welchen IK die Verpaarung aufweist. Immer auch auf 10 Generationen nachgefragt. Wenn hier keine klare Antwort erfolgt oder ein zu hoher IK verharmlost wird, dann sollte das die Ausschlussfrage sein. Bringen Sie höflich den Besuch zu Ende und nehmen sich den nächsten Züchter auf ihrer Liste vor.

Die nächste Frage ist ebenso gravierend. Ich würde mich danach erkundigen, welche Gründe es für die Auswahl des Vaterrüden gegeben hat. Hierauf gibt es „richtige“, aber auch schwerwiegend „falsche“ Antworten.

 

                                                                  Foto: Sumanshu-Welpe

Abb 21 Sumanshu-Welpe Keulers-NL

Black and Tan Welpe aus dem Kennel Sumanshu; Züchterin: Petra Keulers; NL

Wenn der Züchter einen Plan hatte für die Verpaarung, dass z.B. der Rüde und die Hündin sich in ihren Eigenschaften ergänzen sollen, – und diese Eigenschaften eventuell bis ins Detail beschreibt -, dann sind Sie auf der richtigen Fährte. So eine „Zuchtstrategie“ heißt „komplementär“ und wird von der wissenschaftlichen Führung des VDH mindestens seit 1993 dringend empfohlen, weil es die einzige Zuchtstrategie ist, mit der eine Verbesserung der Qualität einer Rasse erzielt wird.

 

Aber es gibt auch „falsche“ Antworten. Wenn der Züchter vom Champion-Rüden schwärmt, seine Ausstellungserfolge hervorhebt, von Champion- und Auslesezucht als Eintragung auf den Ahnennachweisen seines Wurfs redet, dazu die tollen Farben seines Nachwuchses betont und Sie gleich zu den nächsten Champion-Ausstellern machen will, dann sind Sie bei einem sog. „Matador-Züchter“ gelandet, dessen Verpaarungsstrategie darin besteht, „Champion (oder gute Hündin) mit Champion zu verpaaren, um Champions zu erzeugen“.

 

Fachleute, Psychologen wie auch Kynologen, bezeichnen dieses Verhalten von Züchtern als „Popular Sire Syndrom“, quasi als psychologischen Defekt. Diese Züchter sind auf einem Egotrip mit der Hoffnung auf Selbstbestätigung durch Zucht- und Ausstellungserfolge. Und das gegen jede Vernunft. Denn spätestens seit eben den genannten „1993“ müsste jedem Züchter klar sein, dass Matadorzucht gleich zu setzen ist mit Inzucht und damit als die Ursache aller Gendefekte in der Rassehundzucht darstellt und mit dieser Art von Zucht auch eine Verschlechterung der Qualität der Rasse insgesamt verbunden ist (das ist eine logische Folge aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung in der Zucht).

 

Foto: Da-cha Welpe

Da-cha-Welpe

Welpe aus dem aktuellen Wurf im Kennel Anandamaya’s; Sandra Servos

Die Folge: Die Rechnung „Champion plus Champion gleich Champion“ geht in der Regel nicht auf. In der Regel wird ihr Welpe nicht der Knaller, den Sie bei einer Champion- oder Auslesezucht (Stempel im Ahnennachweis) erwarten. In der gesamten Geschichte der TT-Zucht gibt es nur ganz wenige Fälle, bei denen der Nachwuchs von Champions über die durchschnittliche Qualität der gesamten Zucht hinausgeragt hat. Aber der Blick auf die Wirklichkeit hat noch selten dazu geführt, dass fixe Ideen, im Englischen gibt es dafür die schon genannte herrliche Bezeichnung „juggernaut“, korrigiert werden. Mein Rat: Streichen Sie auch so einen Züchter aus ihrer Interessentenliste.

 

Wenn der Züchter aber diese beiden Hauptfragen zufrieden stellend beantwortet hat, dann horchen Sie aufmerksam auch auf alles, was er ihnen noch „verrät“. Einige erfahrene Züchter haben eine erstaunliche Kenntnis vor allem von den Dingen, die nie in einer offiziellen Ahnentafel und in den üblichen Untersuchungsergebnissen auftauchen. Hier geht es oft um gesundheitliche Probleme wie Stoffwechselerkrankungen, Arthrose oder Magen- und Darmprobleme, die in bestimmten „Familien“ gehäuft auftreten, aber auch um Charakter und Verhaltensweisen der Hunde. Aber die die positive Entwicklung von Erscheinung, Charakter und Verhalten der Hunde in den Kenneln anderer Züchter entgeht ihm nicht. Ein guter Züchter ist immer auch ein ausgezeichneter „Netzwerker“.

                                                                              Foto: Joshi und Fraya

Abb. 26 Joshi und Fraya C.

Diese beiden Hübschen stehen bei Claudia Festing-Luzay.

Ein anständiger Züchter wird hier aber keine Namen nennen, sondern vor allem auf seine „positive“ Auswahl verweisen mit der Hoffnung, bei seinem Wurf Problemen entgehen zu können. Und das ist sehr hilfreich.

 

Ihre Wahl – und der Preis

Wenn Sie der Meinung sind, es mit diesem Züchter versuchen zu können, dann sagen Sie ihm das und bezeichnen Sie durchaus auch den Welpen, den Sie sich während des Plausches mit dem Züchter im Wurf ausgekuckt haben. Seien Sie aber auch so ehrlich ihm deutlich zu machen, dass es noch einige weitere Züchter gibt, denen Sie einen Besuch abstatten wollen. Wenn dem Züchter das nicht passt, dann haken Sie ihn ab. Dann stimmt etwas nicht.

 

Foto: Porträt

Abb. 26 Uhlenhorst - Porträt

Dieses wunderbare Porträt-Foto gelang mir im Uhlenhorst beim Spaziergang mit den Freunden „Tibetischer Hunde“.

Allerdings ist es legitim vom Züchter, einen Termin zu vereinbaren, bis zu dem Sie sich entscheiden müssen. Denn es sind meist die guten Züchter, bei denen sich ohne große Werbung Interessenten einfinden. Und natürlich kann es Ihnen auch passieren, dass der Züchter Sie aus seiner Bewerberliste streicht. Nehmen Sie das sportlich. Was anderes hilft ja auch nicht.

 

Wenn beiderseits Interesse besteht, dann ist auch die Frage nach dem Preis des Welpen angebracht.

Im Moment  (Mai 2014) dürfte ein TT-Welpe so zwischen 900 und 1000 € kosten. Ich habe vergleichbare Preise auch für meine beiden gegenwärtigen Jungs, Sammie und Jacko, bezahlt. Und ich weiß sehr genau, dass ein solcher Preis berechtigt ist.

Ob es sinnvoll ist zu versuchen, den Preis herunter zu handeln, das bezweifle ich. Ich habe so etwas nie gemacht. Denn ich weiß, ein solcher Preis deckt kaum die Selbstkosten des Züchters. Eine seriöse Hobby-Hundezucht kann sehr kostspielig sein!

Spätestens hier aber sollten Sie sich endgültig die Frage stellen: Will ich wirklich einen Hund? Will wirklich auch jeder in der Familie einen Hund? Sind wir bereit, unser Leben so umzugestalten, dass der Hund überall einbezogen ist? Ich habe mit dieser Frage einige meiner Welpenkäufer davon überzeugt, dass es besser für sie ist, sich keinen Hund zu holen. Und alle haben sich auch nachher bei mir für diese Einsicht bedankt.

 

Züchter, die nicht Mitglied in einem der drei VDH-Klubs sind

Züchter außerhalb des VDH werden von dieser Organisation grundsätzlich als „Dissidenz“ eingestuft und damit ebenso grundsätzlich als unseriös gekennzeichnet. Es könnte aber sein, dass es mehr TT-Züchter außerhalb des VDH gibt als innerhalb. Es gibt sie als Einzelkämpfer ebenso wie in Klubs organisiert.

 

A-nan

Anan von den Innauen; Eder

 

Ich bin Mitglied in mehreren Foren für tibetische Hunde, darunter auch das „Tibet-Terrier-Forum“, in dem sicherlich die größere Zahl der Mitglieder Tibet Terrier von außerhalb des VDH besitzen, darunter auch einige Züchter, die aus verschiedenen Gründen außerhalb des VDH züchten. Ich habe in all den Jahren Mitgliedschaft nie das Gefühl gehabt, dass diese Leute ihre Hunde weniger lieben als die „VDH-Angehörigen“. Und auch die Züchter bemühen sich sehr um alle wichtigen Dinge, die zu einer verantwortungsvollen Zucht gehören.

 

Allerdings rechne ich nach meiner Erfahrung diese Mitglieder eher zu einer Minderheit in der sog. „Dissidenz“. Bei allen meinen Recherchen im Hinblick auf meine Bücher über den Tibet Terrier habe ich intensiv auf den angesagten Märkten recherchiert und dabei überwiegend verheerende Erfahrungen gemacht. Es würde den schon weit gefassten Rahmen dieses Beitrag enorm sprengen, wenn ich hier auf Einzelheiten einginge.

 

H-Wurf alle

H-Wurf von den Innauen

 

Darum mein Fazit: Wenn Sie, aus welchen Gründen auch immer, sich dazu entschließen, einen TT nicht aus VDH-Zucht zu holen, dann sollten Sie das nur und ausschließlich über die persönlichen Empfehlungen von Mitgliedern des Tibet-Terrier-Forums tun. Hier helfen Ihnen die persönlichen Erfahrungen von TT-Besitzern und Züchtern weiter, seriöse Bedingungen vorzufinden. Von allen anderen Bezugsquellen und Wegen in der „Dissidenz“ rate ich Ihnen dringend ab. Aber das ist nun ihr Ding!

 

Letzte Worte

Gehen Sie an einen Hundekauf ohne spezielle Erwartungen an den Hund – egal bei welcher Rasse. Seien Sie einfach offen für das, was Ihnen ihr Hund anbietet. Es wird reichhaltiger und interessanter sein, als Sie vermuten. Und mit diesen individuellen Eigenschaften ihres Hunde gestalten Sie dann ihr gemeinsames Leben.

 

Und hören Sie nicht ständig auf die guten Ratschläge anderer. Ich schließe mich da ein. Manchmal weiß ihr Bauch es besser!

 

Kommentare

Kommentar schreiben